Fit für den Ausbildungsalltag

Fit für den Ausbildungsalltag

Die Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern gGmbH schafft Perspektiven

Die Jugendaufbauwerke entstanden Ende der 40er-Jahre, weil viele Jugendliche durch den Zweiten Weltkrieg nicht die Möglichkeit hatten, einen Schulabschluss zu machen. Auch heute bietet die Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern gGmbH, wie sie seit 2006 heißt, jungen Menschen eine Chance auf berufliche Orientierung: „Die Stadt ist zu 100 Prozent Gesellschafter und möchte dazu beitragen, junge Menschen auf den Weg zu bringen. Struktur und Ausbildung sind wichtig. Wir möchten Perspektiven bieten – keine Sozialhilfe zahlen“, erklärt Bürgermeister Wilfried Bockholt, dem die Arbeit dieser besonderen Werkstatt sehr am Herzen liegt.

„Unser Ziel ist es, junge Menschen zu fördern, bei denen es bisher nicht so glatt gelaufen ist. Wir möchten sie fit für den Ausbildungsalltag machen und ihnen helfen, ein Berufsleben zu starten“, beschreibt Jürgen Bange seine Arbeit. Er ist stellvertretender Diplom-Pädagoge und Geschäftsleiter der Bildungs- und Arbeitswerkstatt in Niebüll. Er setzt alles daran, Perspektiven aufzuzeigen und die Schüler ein Stück ihres Weges zu begleiten. „Wir bieten verschiedene Maßnahmen an, zum Beispiel das Programm AViBA, eine Kurzzeitmaßnahme, die in acht Wochen fit für den Arbeitsmarkt macht. Wir vermitteln ganz gezielt Bewerbungsstrategien, machen Bewerbungstrainings und zeigen, wie man sich eigentlich einen Arbeitsplatz sucht“, beschreibt er. In arbeitsbegleitenden Maßnahmen werden Azubis, die sich in der Ausbildung befinden, bei Sorgen und Problemen unterstützt, ganz gleich, ob es sich dabei um fachliche, soziale oder schulische Angelegenheiten handelt. „Im Rahmen dieser Maßnahme betreuen wir zur Zeit 74 Azubis am Standort Niebüll“, weiß Jürgen Bange.

EIn junger Mann hält eine Pfanne in der Hand.

Aber es gibt auch Jugendliche, die ein bisschen mehr Unterstützung benötigen, vielleicht weil sie schon seit Jahren schulabstinent sind, eine Lernbehinderung haben oder es ihnen aus anderen Gründen einfach schwer fällt, eine reguläre Ausbildung zu meistern: „Sie haben bei uns die Möglichkeit, eine dreijährige Ausbildung zum Fachpraktiker Küche beziehungsweise Hauswirtschaft zu machen. Geläufiger sind die älteren Bezeichnungen Beikoch und Hauswirtschaftshelfer. Mit dieser Qualifikation hat man sehr gute Chancen auf eine Anschlussperspektive“, erzählt der Diplom-Pädagoge. Darauf hofft zum Beispiel Melanie Klindt. Sie hat eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin begonnen und schnell bemerkt, dass sie mit den Anforderungen der Berufsschule nicht zurechtkommt: „Ich habe dann lieber aufgehört. Herr Cleve, mein Berater bei der Agentur für Arbeit, hat mir vorgeschlagen, hier mal in die Hauswirtschaft hineinzuschnuppern“, erinnert sie sich. Es hat ihr gefallen und nun hat sie hier ihre Ausbildung begonnen. In der Berufsschule wird sie gemeinsam mit den Hauswirtschaftlern unterrichtet: „Der Stoff ist aber für uns angepasst und im BAW bekommen wir extra Förderung, in Mathe, Deutsch und dort, wo es nötig ist.“ Die Arbeit bringt ihr Spaß. Der Job bietet vielfältige Aufgaben: „Wir putzen ja nicht den ganzen Tag, sondern lernen zum Beispiel, wie man Kleidung richtig pflegt und was die eingenähten Symbole an Textilien bedeuten. Vor Weihnachten habe ich Mirabellen-Apfelkonfitüre gekocht – die war ziemlich gut!“ Für Adonis, ihr Pferd, bleibt nicht viel Zeit übrig: „Ich muss in der Woche ganz schön viel lernen, aber am Wochenende reite ich aus und kann abschalten.“ Melanie kommt gut zurecht und hat ihren Weg gefunden.

Kevin Petersen hat sich für die Ausbildung zum Fachpraktiker Küche entschieden und ist schon beinahe durch damit. Er ist Förderschüler gewesen und hat mit viel Engagement und Fleiß schon einiges erreichen können: „Inzwischen habe ich schon ein paar Praktika gemacht. Auf Sylt zum Beispiel, in Oldeswort, auf Amrum und Föhr. Das waren alles à la carte Restaurants. Am Anfang ist es immer schwer, alles ist neu und man kennt niemanden. Aber schon am dritten Tag weiß man, wie es in der Küche läuft und kennt seine Aufgaben.“ Genau deshalb, weil er es schafft, sich schnell zu integrieren, kann er in einem der Restaurants wahrscheinlich sogar eine Kochlehre anhängen – in einer ganz normalen betrieblichen Ausbildung. Das ist für ihn Bestätigung seines Könnens, Motivation pur und der Lohn für seinen Fleiß. Am liebsten bereitet er übrigens Salate und Desserts zu: „Das sind meine Stärken“, erzählt er und schwärmt dabei von einer weißen Mousse au Chocolat mit Rosmarin: „Ja, ich weiß, das hört sich komisch an. Aber es passt wirklich super zusammen!“

Ein junger Mann füllt etwas auf einen Teller.

Ganz so weit ist Boyke Botsch noch nicht. Auch er wird Beikoch. Nachdem er sich in der Berufsvorbereitung zuerst den Metallbereich angesehen hat, landete auch er in der Küche: „Kochen macht total Spaß! Wenn man den Leuten ansieht, dass es ihnen schmeckt, freue ich mich wie ein Honigkuchenpferd.“ Gemeinsam mit Kevin und den anderen Azubis bekocht er in der Lehrküche nicht nur die Klienten der BAW, sondern auch andere Kunden, wie Kindergärten und Schulen. Etwa 150 Essen werden täglich zubereitet. Das kann sich sehen lassen. „Die Ausbildung hier“, findet er „ist eine super Vorbereitung für eine Kochlehre. Man steht vom ersten Tag an am Herd, lernt die Hygienebestimmungen, die sind in einer Küche ja ganz besonders wichtig, und bekommt schon ganz viel Hintergrundwissen mit. Das wird später in der Berufsschule ein großer Vorteil für uns sein!“

TEXT Claudia Kleimann-Balke
FOTOS Tim Riediger