„Cash vs. Karte?“

„Cash vs. Karte?“

Wie werden wir in Zukunft zahlen? Die Zunahme der Nutzung elektronischer Zahlungsmittel befeuert die Diskussion über eine mögliche Abschaffung des Bargelds – es wird Zeit die Fakten zu kennen

Die Deutschen zahlen immer noch am liebsten bar. Gleichzeitig ist jedoch die Nutzung des Bargelds rückläufig. Das belegen die Zahlen einer Studie der Deutschen Bundesbank. Besonders seit Corona sind immer mehr Menschen vollständig auf die Angebote elektronischer Bezahlsysteme umgestiegen. Ein Umstand, der sich besonders im Handel bemerkbar macht. Immer mehr Geschäfte bieten digitale Zahlungsmethoden an. In manchen lässt sich sogar nur noch ausschließlich mit Karte, Handy, Smartwatch & Co. bezahlen. Durch diese Trendwende häufen sich die Diskussion darüber, ob wir auch in Deutschland, ähnlich wie Schweden, zukünftig ganz auf das Bargeld als Zahlungsmittel verzichten werden. Und obwohl es nicht so aussieht, dass es dazu kommen wird, gehen die Meinungen diesbezüglich stark auseinander und es wird ein beinahe schon leidenschaftlicher Diskurs über die Vor- und Nachteile beider Zahlungssysteme geführt. Während die Befürworter digitaler Zahlungsmethoden auf Bequemlichkeit, Innovation und Effizienz hinweisen, führen die Gegner Argumente wie Datensicherheit und Wahrung der Anonymität ins Feld. Welche Vorzüge, sowohl elektronische Zahlungsmittel, als auch Bargeld bieten, haben wir uns mal etwas genauer angeschaut.

Vorzüge elektronischer Zahlungsmittel

BEQUEMLICHKEIT: Digitale Bezahlsysteme via Kartenzahlung oder Smartphone bieten ein hohes Maß an Bequemlichkeit. Die lästige Bargeldsuche im Portemonnaie oder die Bargeldbeschaffung an den immer knapper werdenden Bargeldautomaten entfällt. Kontaktlose Zahlungen sind schnell und einfach! Übrigens: Seit Corona schätzen viele auch die hygienischen Vorteile des kontaktlosen Bezahlens.

ÜBERSICHT: Digitale Bezahlmethoden sind transparenter als die Bezahlung mit Bargeld. Jede Transaktion wird genau auf den Kontoauszügen festgehalten und ist für den Nutzer jederzeit nachvollziehbar. Damit sichert man sich den Überblick über seine Finanzen.

FLEXIBILITÄT: Die internationalen Nutzungsmöglichkeiten von Kredit- und Debitkarten machen sie zu einer praktischen Option für Reisende. Benutzer müssen sich keine Gedanken über Währungsumrechnung oder den Umtausch von Bargeld machen, da viele Karten weltweit akzeptiert werden.

WIRTSCHAFTSWACHSTUM: Digitale Bezahlsysteme ermöglichen es den Unternehmen, weltweite Transaktionen in Echtzeit abzuwickeln. Dies führt zu einer erheblichen Beschleunigung und Effizienz des Zahlungsverkehrs. Im Vergleich zu traditionellen Banküberweisungen oder internationalen Zahlungsanweisungen fallen oft niedrigere Transaktionsgebühren an, die den Unternehmen helfen, ihre Handelskosten zu senken und ihre Rentabilität zu steigern. Insbesondere im Bereich des E-Commerce, also dem Online-Handel, spielen digitale Bezahlsysteme eine entscheidende Wachstums Rolle. Die Bequemlichkeit, Flexibilität und Schnelligkeit dieser Zahlungsmethoden haben dazu beigetragen, dass der elektronische Handel weltweit boomt.

ERLEICHTERUNG FÜR DEN HANDEL: Kartenzahlungen erleichtern das tägliche Geschäft und die Abrechnungen. Wechselfehler an der Kasse sind durch Kartenzahlungen vollständig ausgeschlossen und stabilisieren die Gewinne des Handels.

EINDÄMMUNG DES SCHWARZGELD-HANDELS: Bargeld ist im Gegensatz zu digitalen Bezahlsystemen ein ideales Instrument für illegale Geldwäsche und den Handel mit Schwarzgeld, denn Bargeldtransaktionen hinterlassen keine persönlichen Identifikationsdaten und Spuren. Dies macht es für Behörden deutlich schwieriger, Transaktionen zu verfolgen und Geldwäsche-Aktivitäten zu stoppen.

VERMEIDUNG VON PRODUKTIONSKOSTEN: Nicht nur die Herstellung, sondern auch der sichere Transport und die Bereitstellung von Banknoten und Münzen sind teuer. Dieser Aufwand kostet die Banken jährlich rund 2 Milliarden Euro – ein Betrag, den sich die Banken über die Gebühren bei ihren Kunden zurückholen. Digitale Zahlungsanbieter erheben zwar ebenfalls Gebühren für die Bereitstellung ihrer Dienstleistung, allerdings sind die hier anfallenden Kosten deutlich niedriger.

Vorzüge des Bargelds

TEILHABE: Bargeld ist dagegen für jeden nutzbar. Menschen, die aufgrund mangelnder Technologie-Kenntnis oder begrenztem Einkommen keinen Zugang zu digitalen Bezahlsystemen haben, werden durch das digitale Bezahlsystem finanziell ausgeschlossen.

ANONYMITÄT: Bargeld schützt die Privatsphäre. Wer keine Produktvorlieben, Einkaufsorte oder ausgegebene Summen preisgeben möchte, ist mit Münzen und Scheinen auf der sicheren Seite.

DATENSCHUTZ/SICHERHEIT: Bargeldzahlungen bieten Schutz der persönlichen Daten. Umgekehrt hinterlassen wir bei jeder digitalen Transaktion, insbesondere bei Nutzung privater Zahlungsanbieter wie Apple, PayPal, Google Pay etc. eine große Menge an persönlichen Daten, die zu wirtschaftlichen Zwecken weiterverwendet werden können. Digitale Zahlungssysteme sind anfällig für Betrug, Identitätsdiebstahl und Datenlecks.

ÜBERSICHT: Bargeld bietet eine bessere Übersicht über die Ausgaben. Digitale Zahlungen können leicht dazu verführen, den persönlichen finanziellen Verfügungsrahmen zu überschreiten und in die Schuldenfalle zu tappen.

UNABHÄNGIGKEIT: Bargeldtransfer ist nicht von digitalen Infrastrukturen abhängig. Digitale Bezahlmethoden hingegen erfordern eine funktionierende digitale Infrastruktur, einschließlich Kartenterminals und Netzwerke für die Datenübertragung. Wenn diese Systeme ausfallen oder gestört sind, kann dies zu Zahlungsproblemen führen.

Noch ist die Frage offen, ob und in welcher Form die Vorzüge beider Systeme in einem digitalen Zahlungsmittel der Zukunft zusammengeführt werden können: Fakt ist aber, dass Diskussion auf jeden Fall dazu beitragen kann, dass sich die Entwicklung neuer Bezahlsysteme verstärkt an den Wünschen und Bedenken der gesamten Gesellschaft orientiert.

TEXT Anja Nacken
FOTO Blake Wisz (unsplash)