Diamantschleifer/in – Ein Beruf mit Schliff

Sie gelten als Inbegriff für Reichtum, Schönheit und Luxus – Diamanten. Zum funkelnden Schmuckstück wird der Hochkaräter aber erst durch die filigrane Feinarbeit des Diamantschleifers.

Denn im Rohzustand sind Diamanten eher unscheinbar und ähneln Kieselsteinen.

Mit einem Härtegrad von 10 ist das aus Kohlenstoff bestehende Mineral der härteste Stoff der Welt. Die Qualität von Diamanten wird nach den vier Cs beurteilt: Colour (Farbe), Carat (Gewicht: 0,2 Gramm), Clarity (Reinheit) und Cut (Schliff). Der Diamantschleifer beurteilt mit bloßem Auge oder Lupe die Kristallstruktur des Rohdiamanten sowie seine chemischen und physikalischen Eigenschaften. Danach entscheidet er, ob der Stein für die Schmuck- oder industrielle Verarbeitung verwendet wird. Immerhin 75 Prozent der Weltförderung des Edelsteins eignen sich nicht für die Schmuckverarbeitung, sondern werden wegen unschöner Farben und mangelnder Transparenz industriell verwertet, etwa für medizinische Instrumente wie Skalpelle oder Bohrköpfe.

Illustration Diamantschleifer

Diamantschleifer – Ein Beruf mit Tradition

 

Wenn der Fachmann den Rohdiamanten nach Form, Größe, Farbe und Reinheit sortiert hat, beginnt seine eigentliche Arbeit, der Feinschliff.

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Die Rohdiamanten werden genau unter die Lupe genommen

Mit Werkzeugen wie Laser, Reibestöckchen und Drehbankspindeln schneidet er die Hochkaräter zurecht, um sie anschließend in die passende Größe zu sägen. Die Kunst dabei ist, nicht zuviel vom Stein abzuschleifen, denn durchschnittlich 50 Prozent seines Gewichtes verliert er durch diesen Vorgang. Das erfordert Fingerspitzengefühl und Konzentration. Zum Schluss werden die Facetten – das sind die kleinen Flächen des Steins – geschliffen und poliert – und fertig ist das glänzende Schmuckstück.

Zu den selten Berufen gehört der Diamantschleifer auf jeden Fall: Nur eine Handvoll Neueinstellungen gibt es bundesweit, Ausbildungsplätze sind ebenfalls schwer zu ergattern. Wer sich für die dreijährige duale Ausbildung entscheidet, muss einige Anforderungen erfüllen. Obwohl Maschinen und Werkzeuge bei der Bearbeitung helfen, sind gutes Sehvermögen und handwerkliches Geschick, aber auch eine präzise Arbeitsweise und Konzentrationsfähigkeit unverzichtbar, schließlich wird ein kostbarer Stein veredelt. Die Ausbildungsvergütung ist recht attraktiv: Im ersten Lehrjahr liegt der Verdienst bei zirka 800 Euro und im 3. Jahr bis zu 980 Euro im Monat. Das Einstiegsgehalt als ausgelernter Diamantschleifer beträgt 1500 bis 2000 Euro brutto, je nach Art und Größe des Betriebes.

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Das theoretische Wissen wird in der Berufsschule vermittelt. Hier werden Fächer wie Kristalltechnologie, technisches und freihändiges Zeichnen sowie Kristallchemie und -physik gelehrt. Nach Beendigung der Ausbildung kann der/die Diamantschleifer/in bei Juwelieren, in Schmuckateliers oder Industriebetrieben für Diamantwerkzeuge arbeiten.

Übrigens: Die Diamantenhochburg ist die belgische Stadt Antwerpen mit mehr als 1500 Handelsunternehmen. Der kostbarste Diamant der Welt heißt „Pink Star“ mit einem Wert von über 60 Millionen Dollar.

Aus der ME2BE-Reihe „Seltene Berufe“

TEXT Joachim Welding
ILLUSTRATION Ibou Gueye