Appetitliche Möglichkeiten – Interview mit Jochen Brüggen

Appetitliche Möglichkeiten – Interview mit Jochen Brüggen

Jochen Brüggen, Vorstandsvorsitzender des Branchennetzwerks „foodRegio“ und Gesellschafter der H. & J. Brüggen KG

Sabine Spatzek: Herr Brüggen, Sie werben mit „foodRegio“ für die Ausbildungsberufe in der Ernährungswirtschaft. Was macht diese Berufe denn so besonders interessant?

Jochen Brüggen: Grundsätzlich ist es wichtig, überhaupt eine Ausbildung zu machen. Es spricht aber einiges dafür, dies in der Ernährungswirtschaft zu tun. Wir haben spannende technische Berufe, die immer wieder neue Aufgaben bereithalten. Auch der kaufmännische Bereich mit dem Auslandsgeschäft steckt voller spannender Möglichkeiten. Die Ernährungswirtschaft ist zudem relativ krisensicher: In Zeiten, in denen die Weltwirtschaft ächzt und stöhnt, wollen Menschen dennoch weiterhin essen. Und ich persönlich finde, es ist ein schönes Gefühl etwas herzustellen, das den Menschen gut tut, weil es sie satt macht und ihnen schmeckt.

Welche Ausbildung haben Sie selbst gemacht?

Ich habe Groß- und Außenhandelskaufmann im Getreidehandel gelernt, dann ein Jahr hier im Unternehmen gearbeitet und danach Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Aus meiner Sicht war das eine sehr gute Verbindung von Theorie und Praxis. Das ist überhaupt die Stärke des deutschen Ausbildungssystems, um das uns viele im Ausland beneiden.

Sie gehören zur vierten Generation an der Spitze eines Lübecker Traditionsunternehmens, des Müsli- und Cerealien-Herstellers Brüggen. War Ihnen immer schon klar, dass Sie eines Tages in den Familienbetrieb einsteigen, oder hatten Sie als Schüler auch mal ganz andere Berufswünsche?

Ich habe als Jugendlicher mal überlegt, ob ich Medizin studieren soll. Mit 15 Jahren bin ich dann von meinem Onkel gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, irgendwann in die Firma zu kommen. Ich kam zu dem Schluss, dass das eine tolle Aufgabe wäre, die gut mit meinen Talenten zusammenpasst. Von da an bin ich sehr zielstrebig in diese Richtung gegangen.

Haben Sie das schon mal bereut?

Nein, ich würde mich auch heute wieder genauso entscheiden. Die Aufgabe fasziniert mich immer noch.

Wie kam es dazu, dass Sie zusammen mit anderen Unternehmern 2006 den Verein „foodRegio“ gegründet haben?

Der Grundgedanke war, dass wir als Lebensmittelhersteller, unabhängig von unserem jeweiligen Produkt, alle ähnlichen Herausforderungen gegenüberstehen. Eine davon ist, dass wir gute Mitarbeiter brauchen, die sich mit Lebensmitteln auskennen. Also müssen wir alle ausbilden, und gemeinsam können wir die Ausbildung an vielen Stellen verbessern und ein Bewusstsein dafür wecken, dass unsere Berufe attraktiv sind.

Eine Werbekampagne von „foodRegio“ unter dem Motto „Berufe, die schmecken“, zu der 2009 unter anderem ein Spot im Kino gehörte, richtete sich direkt an die Jugendlichen. Bekommen Sie seitdem mehr Bewerbungen auf den Tisch?

Eindeutig ja. Die Kampagne war so erfolgreich, wie ich selbst es nie für möglich gehalten hätte. In den Jahren davor hatten wir hier in der Firma beispielsweise immer Schwierigkeiten, unsere Ausbildungsplätze für die klassische Müller-Ausbildung (inzwischen Verfahrenstechnologe/in in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft) zu besetzen. Jetzt haben wir einen steten Strom von Bewerbungen und die Zahl unserer Ausbildungsplätze auch insgesamt deutlich erhöht.

Können Sie denn später auch allen Auszubildenden einen Job anbieten?

Bisher hat das bei uns in der Firma eigentlich immer sehr gut geklappt. Wir sind froh, dass wir die jungen Fachkräfte haben, mit denen wir frei werdende oder neu geschaffene Stellen besetzen können. Aber selbst wenn das einmal nicht so sein sollte, oder es passt jemandem bei uns die Nase seines Chefs nicht mehr, dann ist er in einem Lübecker Pool von qualifizierten Fachkräften und kann sich bei vielen anderen Unternehmen bewerben. Immerhin ist die Ernährungswirtschaft mit rund 100 Betrieben das größte Produktionscluster am Standort und eine Branche, die weiter wächst.

Vielen Dank.

TEXT & FOTO Sabine Spatzek