Von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen in zwei Tagen. 1.100 Kilometer, ein Fahrrad und maximal 50 Stunden Zeit: Das ist der Plan von Marlon Maue. Sein Ziel ist nichts geringeres als ein inoffizieller Weltrekord.
Zum Treffen auf St. Pauli kommt der 16-jährige Hamburger natürlich mit dem Rad. Zu seinem Outfit gehört enge Sportlerkleidung, ein knallroter Helm und die schnelle Brille, wie er sie selbst nennt. Die Ausstattung ist bereits auf Profiniveau, denn Marlon meint es ernst: Er trainiert fast täglich, um die 20 Stunden in der Woche. Radfahren, Boxen, Krafttraining – das Training ist intensiv, denn der 16-Jährige bereitet sich auf seine bisher längste Strecke vor.
Von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen
Marlon will von Flensburg an der nördlichen Spitze Schleswig-Holsteins bis nach Garmisch-Partenkirchen nahe der Zugspitze fahren – mit dem Rad. Dafür hat er sich ein Zeitfenster von 50 Stunden vorgenommen. „Jede Stunde und jede Minute, die ich weniger schaffe, ist cool“, sagt er. Bei einer Trainingsfahrt über 500 Kilometer habe er kürzlich einen 33er Schnitt, also ein Tempo von 33 km/h, gehalten, das wünsche er sich auch für die große Distanz. Rein rechnerisch müsste er ohne Pausen konstant „nur“ mindestens 22 km/h schnell fahren, um sich seinen Traum zu erfüllen.
Ganz ohne Pausen wird es jedoch nicht gehen, dafür ist die Strecke mit mehr als 1.000 Kilometer viel zu lang. Marlon war noch nie 50 Stunden am Stück wach, erzählt er. „Auf die körperliche Erschöpfung kann ich mich vorbereiten, aber was nach fast zwei Tagen mit meinem Kopf passiert, wenn ich nicht geschlafen habe, das weiß ich nicht und das kann man auch nicht trainieren.“ Zur Sicherheit fährt sein Vater mit dem Auto eine ähnliche Strecke, damit sich Marlon immer wieder kurz ausruhen und essen kann. „Meine Eltern unterstützen mich sehr. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt er.
Neuer Weltrekord im Ultracycling
Mit seiner Leidenschaft für die Ultradistanz ist der Jugendliche nicht allein: Gerade machte Ultracycler Daniel Steinhauser aus Bad Waldsee Schlagzeilen. Er hat in sieben Tagen 3.860 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt und damit den bisherigen Weltrekord von 3.827 Kilometern geknackt. Der 42-Jährige beendete seinen Rekordversuch nach 196 Stunden Gesamtzeit. Er fuhr täglich mindestens 20 Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h.

Der 16-Jährige hat frisch seinen MSA in der Tasche, will nun ein FSJ beginnen und danach eine Ausbildung bei der Feuerwehr absolvieren.
Leidenschaft seit der Kindheit
Bei Marlon begann die Faszination für das Radfahren schon früh. Sein Vater nahm ihn bereits als Kind mit auf eine Übernachtungstour in Richtung Travemünde. „Die Strecke hat mich damals total an meine Grenzen gebracht“, erzählt Marlon. Doch nach dieser Herausforderung war er angefixt, guckte Bikepacking- und Ultracycling-Videos auf Social Media und wünschte sich immer mehr Ausrüstung für weitere Radreisen. Ab der siebten Klasse trainiert er bei St. Pauli im Verein und wird immer besser.
Er stellt jedoch schnell fest, sich mit anderen jungen Sportlern bei Rennen zu messen, ist nicht hundertprozentig sein Ding. Marlon setzt fortan auf längere Distanzen als auf pure Geschwindigkeit – mit Erfolg. Am Mittwoch, den 13. Mai 2026 startet der 16-Jährige seine bislang längste Strecke in Flensburg und setzt damit zum inoffiziellen Weltrekord an. ME2BE wird Marlon auf seinem weiteren Weg begleiten und berichten.
TEXT Morgana Pfeifer Schridde
FOTOS Osama Adil


