Diplom-Betriebswirtin (FH) Birgit Dührsen, Steuerberaterin bei MEF & Partner, im Interview
Was ist der größte Fehler, den ein Bewerber oder eine Bewerberin machen kann?
Fehler in der Anrede oder Schreibweise der Unternehmensanschrift; Verwendung von „copy and paste“ mit falscher Anrede, falschem Berufswunsch usw.; Verwendung von Standardschreiben. Rechtschreibfehler und Flüchtigkeitsfehler zeigen schnell, wenn eine Bewerbung nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Sorgfalt erstellt wurde.
Tipp: Lassen Sie Ihre Bewerbung einen Tag liegen und lesen Sie diese vor dem Versand mehrmals gründlich durch. Bitten Sie auch Familienangehörige, Lehrer oder Freunde um kritische Überprüfung.
Was gehört zu einer kompletten Bewerbung?
Anschreiben, Lebenslauf, Foto, Zeugnisse und ggf. Praktikumsbescheinigungen, digital oder in Papierform.
Tipp: Achten Sie beim digitalen Versand auf eine sinnvolle Benennung der Anlagen und verwenden Sie eine seriöse Mailadresse. Besser nicht herzilein_nf@…, kuschelbaer98@…
Welche Themen und Dinge sollte man in seinem Anschreiben ansprechen?
Gründe für die Berufswahl, besonders geeignete persönliche Stärken, Bereitschaft zum Praktikum.
Tipp: Verzichten Sie auf Textbausteine wie z.B. „Ihre Zeitungsanzeige in der … vom … hat mein besonderes Interesse geweckt.“ Das lesen Personaler viel zu häufig!
Worauf achten Sie persönlich besonders?
Ich achte auf das gesamte Erscheinungsbild der Bewerbung, insbesondere auf die Rechtschreibung, den Ausdruck, die Schulnoten und die Fehlzeiten.
Tipp: Verwenden Sie ausschließlich professionell erstellte Bewerbungsfotos. Bitte keine Selfies, Urlaubsfotos oder verpixelte Kopien!
Welche Tipps haben Sie an junge Bewerber für das Vorstellungsgespräch?
Informieren Sie sich über das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben. Meist ist die Homepage dazu gut geeignet. Eine gute Vorbereitung verbessert Ihr Auftreten und mindert die Nervosität.
Wie viele Personen führen das Bewerbungsgespräch mit dem oder der Bewerber/-in?
Bei Auszubildenden in der Regel eine Person. Die Anzahl der Interviewer erhöht sich bei steigender Qualifikation oder Führungskräften auf 2-3.
Tipp: Bleiben Sie natürlich und haben Sie keine Angst. Ihr Gesprächspartner freut sich auf Sie!
Was macht für Sie einen guten Lebenslauf aus?
Der Lebenslauf sollte lückenlos, inhaltlich gegliedert und optisch einwandfrei aufgebaut sein.
Tipp: Verwenden Sie die Tab-Taste anstelle von Leerzeichen.
Wie wichtig sind das äußere Erscheinungsbild und die Kleidung der Bewerber im Gespräch?
Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Diese Erfahrung machen wir das gesamte Berufs- und Privatleben lang. Das gilt insbesondere für das Bewerbungsgespräch. Mit dem Erscheinungsbild zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, wie (weniger?) wichtig Ihnen die Einladung ist.
Was sind die häufigsten Fehler, die junge Bewerber während des Bewerbungsprozesses machen, und woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Neben der mangelnden Sorgfalt bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen ist der häufigste Fehler die dürftige Auseinandersetzung mit dem Anforderungsprofil des Berufsbildes. Eine zeitintensive Vorbereitung und Recherche kann jede Menge Frust und Absagen vermeiden. Sofern bestimmte Vorlieben, Stärken oder Noten von Bedeutung sind, kommt das böse Erwachen für viele Schüler leider erst viel zu spät. Ich wünsche mir, dass jungen Menschen spätestens mit dem Besuch der weiterführenden Schulen immer wieder deutlich gemacht wird, wie entscheidend die Berufswahl das Leben und die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen kann. Darüber hinaus wäre die Herstellung weiterer Vernetzungen zwischen Schulen und Wirtschaftsunternehmen wünschenswert, um die Vorbereitung auf das Berufsleben zu verbessern und die Berufswahl zu erleichtern und zu optimieren.
Tipp: Prüfen Sie anhand Ihrer Stärken und Vorlieben, ob Sie sich für den passenden Beruf bewerben. Es handelt sich meist um eine Entscheidung für Jahre oder Jahrzehnte.
Was für junge Leute suchen Sie? Welche Eigenschaften sollten die Bewerber mitbringen?
Wir suchen wissensdurstige, motivierte, freundliche junge Persönlichkeiten mit einer Vorliebe für Zahlen, die keine Angst vor einer anspruchsvollen Ausbildung haben. Ideal sind außerdem die Neugier auf zahlreiche Geheimnisse verschiedener Wirtschaftszweige sowie ein Interesse an Weiterbildungsmöglichkeiten.
Was ist Ihr Rat an jene Bewerber, die eine Ablehnung erhalten haben?
Überprüfen Sie Ihre Berufswahl kritisch. Erfüllen Sie das Anforderungsprofil? Fragen Sie im Zweifel nach, weshalb Sie eine Absage erhalten haben.
Tipp: Erkundigen Sie sich, wann die Auswahl der Bewerber getroffen wird, und bewerben Sie sich rechtzeitig.
Fragen Sie nach Stärken und Schwächen? Was sagen die Antworten über die jeweiligen Bewerber aus?
Selbstverständlich sind wir sehr interessiert, welche Stärken unsere zukünftigen Auszubildenden auszeichnen. Kleine Schwächen sind
menschlich, und die haben wir alle. Die Mischung macht’s.
Tipp: Fragen Sie sich, wie Ihre Familienangehörigen und Freunde Sie beschreiben würden.
Geben Sie Feedback oder Verbesserungsvorschläge an die Bewerber?
Selbstverständlich haben wir unserem Gesprächspartner gegenüber Respekt und geben im persönlichen Gespräch eine Rückmeldung über den hinterlassenen Eindruck sowie den zeitlichen Verlauf der Entscheidungsfindung.
Schildern Sie bitte den üblichen Bewerbungsverlauf. Wie funktioniert das Auswahlverfahren? Wann kann der oder die Bewerber/-in mit einer Antwort rechnen?
Wir entscheiden uns gern spätestens im Herbst für die Auszubildenden des Folgejahres. Grundsätzlich laden wir die geeigneten Bewerber im Anschluss an das persönliche Gespräch gern zu einem Praktikum ein. Das halten wir für geeigneter als einen theoretischen Einstellungstest. Je nachdem, wie viele Kandidaten/-innen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden oder ein Praktikum absolvieren, kann das gesamte Auswahlverfahren von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen Zeit in Anspruch nehmen.
Haben Ihre Auzubildenden nach der Ausbildung die Chance auf eine Weiterbeschäftigung?
Auf jeden Fall. Es gehört von Beginn der Ausbildung an zu unseren primären Zielen, künftige Mitarbeiter für den eigenen Bedarf auszubilden. Insofern bewerben wir uns während der Ausbildung als künftige Arbeitgeber bei den jungen Menschen.
Text Birgit Dührsen
Foto Klaus Erichsen