Institut für Logistik und Produktion an der TH Lübeck ist gefragt bei Unternehmen – Studierende mit direktem Draht zum Arbeitgeber
Die Technische Hochschule Lübeck kann mehr als nur gute Lehre. Was viele junge Leute nicht wissen: An der TH wird auch geforscht und mit Partnern aus der Industrie an innovativen Lösungen gearbeitet. Dabei beziehen die Professoren auch Studierende ein – für Semester-, Bachelor- oder Masterarbeiten direkt im Unternehmen. Damit haben die späteren Absolventen einen Fuß in der Tür bei der Suche nach einem anspruchsvollen Job.
Nur wenn Unternehmen bereit sind, sich ständig weiterzuentwickeln, können sie sich langfristig am Markt behaupten. Um die Möglichkeiten für Rationalisierung zu erkennen und umzusetzen, entwickelt das Kompetenzzentrum Logistik und Produktion (LuP) an der TH Lübeck für Industriepartner im Norden praxisnahe Lösungen. „Produzierende Unternehmen versuchen ständig, die Strukturen und Prozesse zu verbessern, um die Kosten zu senken, den Kunden schneller zu bedienen und die Qualität ihrer Produkte kontinuierlich zu verbessern. In die Optimierung der innerbetrieblichen Logistik investieren Industriebetriebe permanent viel Geld“, erläutert Professor Ralf Cremer, Leiter des LuP. Um spezielle Probleme zu lösen, suchen viele Betriebe in Norddeutschland gezielt das anerkannt umfassende Knowhow der TH Lübeck.
Das 2001 gegründete Kompetenzzentrum und heutige Institut kann den Unternehmen einen echten Mehrwert bieten: Elf hochqualifizierte Professoren mit großer Praxiserfahrung lenken ihren unbestechlichen und kritischen Blick in den Betrieben auf die Bereiche, in denen sie Möglichkeiten zur Verbesserung erkennen. Dazu wenden sie neueste wissenschaftliche Methoden an, die dem Betrieb schließlich erhebliche Rationalisierungspotenziale eröffnen. „Mit unseren Analysen und Lösungsvorschlägen können die Unternehmen konkrete Investitionsentscheidungen treffen.“ Die LuP-Dienstleistungen reichen von Fabrik und Lagerplanung über Verkehrslogistik und Telematik bis zu Simulation und E-Business.
Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang lautet stets Supply Chain Management – das ist die Organisation des Wertstroms im Unternehmen. „Dabei helfen wir, die gesamte Lieferkette von der Materialbeschaffung über die Produktion bis zur Auslieferung an den Kunden zu verbessern. Neben den einzelnen Geschäftsbereichen haben die Software-Anwendungen im Unternehmen einen großen Einfluss auf die Optimierungsmöglichkeiten. Deshalb gehört die Analyse der IT-Infrastruktur zu den wichtigen Aufgaben unserer Arbeit“, erklärt LuP-Chef Cremer. Bei einigen Projekten bekommen die Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens die Chance, Teilaspekte der Industrieaufträge zu bearbeiten, berichtet Professor Rüdiger Lohmann, Spezialist für Logistik und Supply Chain Management. „Bei einem Auftrag des mittelständischen Cornflakes- Herstellers Nordgetreide in Lübeck konnten beispielsweise zwei Studierende bestimmte Aufgaben übernehmen. Es ging darum, die Prognosen für den Absatz im Jahresverlauf zuverlässiger vorhersagen zu können, damit das Unternehmen seine Lager- und Produktionskapazitäten besser planen kann.“ Bernd Kiefhaber etwa hat für seine Bachelorarbeit einen Teil der Analysen im Unternehmen durchgeführt. Und sein Kommilitone Ismael Filiz hat seine Masterarbeit einem wichtigen Teilaspekt gewidmet – mit einer durchaus erwünschten Konsequenz: „Seit einigen Monaten arbeite ich bei Nordgetreide – das Unternehmen hat mich gleich nach dem Examen eingestellt“, freut sich der Jungingenieur (siehe Studentenportraits). Mit dem für den Betrieb passgenauen Sachverstand, den sich der Masterstudent angeeignet hatte, war er schließlich zu einem unverzichtbaren Experten für die Lebensmittelfirma geworden.
Das Lübecker Unternehmen Nordgetreide wurde 1966 gegründet und beschäftigt 400 Mitarbeiter an drei Produktionsstandorten, wo Frühstückscerealien für Supermärkte und Mühlenprodukte auch in Bioqualität hergestellt werden. Zu den Kunden des Kompetenzzentrums LuP gehören viele namhafte Unternehmen aus der Lübecker Region wie Dräger, Grundfos, die Lübecker Hafengesellschaft und Possehl. Auch D+H Mechatronic nahm das Know-how der Lübecker in Anspruch. Das Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von Rauchabzügen und Lüftungssystemen und gewann 2012 den Großen Preis des Mittelstandes für die beispielhafte Innovationskraft. „Wir haben für die Produktion einer bestimmten Produktlinie den gesamten Wertstrom untersucht. Um die Lieferwege von Bauteilen innerhalb der Fertigung zu verkürzen, wurde in dem mehrjährigen Projekt schließlich das Fabrik-Layout verändert und der gesamte Produktionsablauf optimiert. Das brachte D+H schließlich eine Produktionssteigerung von 30 Prozent“, erläutert Professor Cremer. Von so viel Sachverstand profitieren natürlich die Studierenden, die in ihren Abschlussarbeiten meist industrienahe Forschung betreiben dürfen. „Das führt dazu, dass fast alle unserer Absolventen innerhalb kurzer Zeit Arbeitsverträge von Unternehmen aus der Region in der Tasche haben“, betont Professor Lohmann. Denn die exzellente Zusammenarbeit mit der Wirtschaft hat längst gezeigt, dass das LuP seinem Motto stets treu geblieben ist: „Projekte erfolgreich umsetzen!“
KONTAKT
Prof. Ralf Cremet, Leitung Institut für Logistik und Produktion
Tel. 0451 300-5497
E-Mail: ralf.cremer@th-luebeck.de
www.logistik.th-luebeck.de
Text Joachim Welding
Foto Teresa Horstmann & Joachim Welding