Von nichts kommt nichts

Von nichts kommt nichts

Stefanie Golla bezeichnet sich selbst als Glückspilz. Glücklich kann die sympathische 28-Jährige auch sein, denn sie hat letztes Jahr mit ihrer Bachelorarbeit den begehrten Goldenen Nagel beim Nachwuchswettbewerb des Art Directors Club gewonnen. 

Der ADC, der einmal im Jahr die Besten der Werbebranche kürt, war auch Stefanies Eintrittskarte zu Kolle Rebbe, einer der erfolgreichsten Werbeagenturen in Hamburg. Heute arbeitet sie dort als Grafikerin und hat soeben den nächsten Preis verliehen bekommen. Gemeinsam mit einem Agenturkollegen gewann sie Gold in der Kategorie Design bei der Young Lions Competition beim Werbefestival in Cannes. Für die kurze Zeit hat sie schon sehr viel erreicht, doch wer ihren Weg aus Hettstadt in Bayern in die Hansestadt anschaut, merkt schnell, dass ihr Glück selbstgemacht ist.

Die Affinität zum Design zeichnete sich bei Stefanie schon sehr früh ab. Nach dem Abitur in der Fachrichtung Gestaltung absolvierte sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien in Würzburg. „Mir war bewusst, dass ich etwas Kreatives machen möchte. Aber während des Abis war mir auch klar, dass ich nicht sofort ein Studium absolvieren wollte“, so Stefanie. Erst nach der dreijährigen Ausbildung begann die junge Hettstädterin ihr Studium Kommunikationsdesign. „Die Ausbildung hat mir das Studium sehr erleichtert. Ich habe die wichtigsten Computer-Programme erlernt und die Branche kennengelernt“, berichtet sie. Vorab musste Stefanie ihren Vater von der Richtigkeit ihrer Wahl überzeugen. „Meinem Vater war es immer wichtig, dass ich einen vernünftigen Beruf lerne, der mich finanziell gut absichert. Er hatte Angst, dass ich keinen guten Job in der Kreativbranche finde oder dass ich einfach nicht gut genug bin, um Karriere zu machen“, erinnert sie sich. Um ihn von der Idee zu überzeugen, dass sie ihre Zukunft nicht für eine brotlose Kunst opfert, integrierte Stefanie das Hobby ihres Vaters in ihre Bachelorarbeit. „Seitdem ich auf der Welt bin, sind Bienen die Passion meines Vaters. Wo andere Väter an ihren Autos schrauben, verbringt er seine Freizeit mit der Bienenzucht. So habe ich einen Bienenkasten in einen Magazinständer verwandelt, in dem nicht Bienen-Rähmchen, sondern sieben fadengebundene Magazine über die Welt der Bienen reingehängt werden. Beim Öffnen des Kastens ertönen Geräusche eines summenden Bienenschwarms. Als mein Vater meine Arbeit sah, hatte ich ihn überzeugt.“
„Eine für Alle – lang lebe die Königin“, so der Titel der Arbeit, hat nicht nur Stefanies Vater überzeugt. Auch ihr Professor erkannte ihr Talent und überzeugte sie davon, ihre Arbeit beim ADC einzureichen. Mit Erfolg.Ein Büro mit Holzböden. Menschen arbeiten mit Computern. Diese stehen auf Schreibtischen

Ihren späteren Arbeitgeber lernte Stefanie bereits vor der ADC-Preisverleihung kennen. Kolle Rebbe hat unter dem Motto „Ad & Breakfast“ 12 Nachwuchswerbern die Möglichkeit angeboten, kostenlos bei einem Geschäftsführer oder Mitarbeiter der Agentur zu übernachten. „Ich habe ein Foto von mir mit einem frechen Text eingeschickt und wurde ausgewählt. Es scheint gut angekommen zu sein“, sagt Stefanie.

Ihre Tipps für angehende Werber: „Du musst viel Leidenschaft für das Thema mitbringen und auch Lust haben, dich wirklich dahinter zu klemmen, dazu ein gewisses Gespür für Gestaltung haben und Teamgeist besitzen. Kreativität ist, Dinge zu erschaffen, Ideen zu haben, Vorstellungen zu entwickeln und das Erdachte umzusetzen. Kreativität heißt nicht, gut zeichnen zu können. Dazu gehört viel mehr. Am wichtigsten ist es aber, nicht so schnell aufzugeben, denn von nichts kommt nichts.“

 

TEXT Katharina Grzeca
FOTOS Oben privat, unten Kolle Rebbe