Life is a beach – Kunstinitiative St. Peter-Ording

Life is a beach – Kunstinitiative St. Peter-Ording

Beachen, Surfen, Baden, Wattwandern, Strandkörbe, Strandsegeln, mit dem Auto direkt an den Strand fahren, frischen Fisch essen: Das alles und noch mehr hat St. Peter Ording zu bieten. Aber wenn man am Deich rechts abbiegt, anstatt die Strandauffahrt hochzufahren, kommt man an einer unscheinbaren Halle vorbei, die Überraschendes beherbergt: Kunst.

Kunstinitiative St. Peter-Ording

Die Strandkorbhalle in SPO, deren Parkplatz nachts zum beliebten Übernachtungsspot für Surfer wird, schützt im Winter die Strandkörbe. Aber wenn sie in den Sommermonaten leer steht, macht sie von Juli bis September für zehn Wochen Platz für Kunst in St. Peter-Ording. Bereits seit sieben Jahren holen Thomas Bartram und Peter Bothe Kunst nach Ording und füllen die Strandkorbhalle mit Leben. Bereits 21.000 Besucher und Besucherinnen hat die Kunstinitiative St. Peter-Ording in der Halle am Deich begeistert.

Jedes Jahr gibt es eine Ausstellung zu einem neuen Thema, in der vor allem ortansässige Künstler ihre Kunst zeigen. In diesem Jahr entstand zum ersten Mal eine Kooperation mit der HTK, der Akademie für Gestaltung in Hamburg, die acht jungen Künstlern die Möglichkeit gab, sich zu präsentieren. Unter dem Thema LIFE IS A BEACH wurde Streetart (mit Pinsel, Spraydose, Siebdruck, Stencil und großformatigen Plakaten) direkt vor Ort kreiert.

Kunstinitiative St. Peter-Ording

Peter Bothe und Thomas Bartram

ME2BE: Moin Thomas, moin Peter! Kunst ist ja nicht unbedingt das erste was einem in den Sinn kommt, wenn man an St. Peter Ording denkt. Wie kam es dazu, dass ihr hier die Kunstausstellung ins Leben gerufen habt?

Thomas: Das war eher ein Zufall. Als ich vor sieben Jahren einen Spaziergang gemacht habe, kam ich an der Strandkorbhalle vorbei und spürte direkt das Potenzial. Ich habe früher bereits in meiner Heimat Glückstadt Ausstellungen organisiert und da war für mich sofort klar, dass diese Halle eine einzigartige Gelegenheit bietet, Kunst auszustellen. So haben wir den Verein KISPO, Kunstinitiative St. Peter Ording, gegründet. Ehrenamtlich und selbst finanziert machen wir das jetzt schon seit sieben Jahren! Ich verstehe nicht, warum vorher noch niemand auf die Idee gekommen ist.

Dann bist du also ein Kunstliebhaber, Thomas?

So würde ich mich jetzt nicht unbedingt bezeichnen. Ich bin Fotograf. Ursprünglich war die Kunst eher ein Mittel zum Zweck für mich. Um ein historisches Gebäude in Glückstadt zu retten, habe ich dort meine erste Kunstaustellung organisiert … und das Gebäude steht immer noch!

Graffiti und Sprühdosen haben ihr „Schmuddelimage“ inzwischen längst abgelegt.
-Peter Bothe

Wie kam es denn zu der Kooperation mit der HTK und der Entscheidung, Arbeiten in der Street Art Technik auszustellen?

Thomas: Der ehemalige Leiter der HTK, der unsere Flyer erstellt, wohnt hier und hat den Kontakt zur Schule vermittelt. Die Idee für die Kunstaustellung Streetart zum Thema „Nordsee, Küste, Strand“ ist schon vor zwei Jahren entstanden. Wir hatten den Wunsch, ein jüngeres Publikum anzusprechen.

Peter: Der Parkplatz vor der Strandkorbhalle ist ein beliebter Schlafplatz für Kiter. Genau diese Generation wollten wir auch für Kunst in der Halle begeistern. Das war der Startschuss für junge Künstler sowie junge Besucher, und in dem Zusammenhang fanden wir einfach die Techniken der „Streetart“ sehr passend. Streetart birgt ein Potenzial, das im Kunstbereich noch gar nicht ausgeschöpft ist. Ein Künstler aus Greifswald wird zum Beispiel regelmäßig von Baugenossenschaften beauftragt, die Baufassaden zu besprayen. Graffiti und Sprühdosen haben ihr „Schmuddelimage“ inzwischen längst abgelegt.

Bis kurz vor der Ausstellungseröffnung wussten auch wir nicht, was uns erwartet.
-Thomas Bartram

Durfte denn jeder, der wollte ausstellen?

Thomas: Die Studenten haben zunächst Entwürfe eingereicht. Auf dieser Grundlage wollten wir uns dann entscheiden, wer ausstellen darf. Diese Entscheidung fiel uns allerdings dann so schwer, dass wir alle Studenten eingeladen haben, ihre Ideen umzusetzen. Außerdem sind noch drei weitere Künstler dabei.

Die Kunstwerke wurden erst hier umgesetzt?

Thomas: Ja, genau. Vierzehn Tage vor Ausstellungseröffnung kamen die Studenten, um vor Ort ihre Kunstwerke zu erstellen. Bis kurz vor der Ausstellungseröffnung wussten auch wir nicht, was uns erwartet. Das war schon spannend.

Peter: Es war auch spannend, wie unterschiedlich das Thema künstlerisch bearbeitet wurde und wo sich die Künstler und Künstlerinnen ihre Inspiration holten. Eine Studentin ist zum Beispiel für einen Tag an den Strand gegangen und hat die Besucher am Strand beobachtet. Für sie bedeutete das Thema „Nordsee, Küste, Strand“ die Menschen, die dicht an dicht am Strand spielen, sich sonnen und baden, in ihrer Unterschiedlichkeit zu zeigen. So entstanden dann ihre schwarz-weißen Porträts.

Kunstinitiative SPO

Nordsee, Küste, Strand – So das Thema zu dem diese Bilder entstanden

Welche Werke gefallen euch am besten?

Thomas: Das ist natürlich schwer zu sagen, aber mich persönlich hat das Bild des Künstlers Diethard Wies aus Husum besonders angesprochen. Das Motiv W-Lan am Strand ist eben ein Thema, das zum Nachdenken anregt. Viele Urlauber wählen ihren Zielort ja auch unter der Voraussetzung, dass es dort W-Lan gibt.

Kunstinitiative St. Peter-Ording

Diethard Wies beschäftigt sich in diesem Bild mit moderner Technologie

Peter: Mir gefällt das Bild der Studentin Anna Kantel. Besonders die aufwendige Technik hat mich beeindruckt. Mit verschiedenen Folien, die übersprüht werden, der sogenannten Stenzil-Technik, ist allmählich dieses Bild entstanden.

Kunstinitiative St. Peter-Ording

Anna Kantels Technik ist besonders

LIFE IS A BEACH – ein Ausdruck, der im Englischen etwas Fantastisches oder einen Zustand der Glückseligkeit bezeichnet. Unser Besuch bei Thomas und Peter entsprach diesem Motto. Wir finden es fantastisch, dass die beiden sich für Kunst in SPO einsetzen. Das Gespräch und die Kunst haben auch uns in einen glückseligen Zustand versetzt, der die Zeit für einen Moment anhielt. Wir können nur sagen, weiter so! Auf die nächste Ausstellung und ein Wiedersehen freuen wir uns schon jetzt!

TEXT Sabrina Meyn
FOTOS Merle Jurzig

Weitere Infos findet ihr hier:

Kunstinitiative St. Peter-Ording e.V.

Kontakt: Thomas Bartram Norderdeich 43
T: 04863 950 77 43
E: anfrage@kunstinspo.de

www.kunstinspo.de