Ein Besuch auf der BLOCKCHANCE in Hamburg

Ein Besuch auf der BLOCKCHANCE in Hamburg

Vom 2. bis 4. Dezember 2021 öffnete die internationale Blockchain-Konferenz BLOCKCHANCE Europe in der Handelskammer Hamburg ihre Tore. Rund 1500 Besucher und Besucherinnen kamen, um sich hier über die neusten Themen rund um 

digitale Assets, Datensicherheit, Blockchain, Künstliche Intelligenz, Token Economy, intelligente Transportsysteme und digitales Banking zu informieren.  An zahlreichen Messeständen konnten neue Kontakte geknüpft und in Workshops durfte gefachsimpelt werden. Hinzu kamen weit über 100 nationale und internationale Redner, die über die verschiedensten Themen referiert haben. 

Die diesjährige BLOCKCHANCE fand in der Handelskammer Hamburg statt. Fotos (4): J. Urban

Mehr als Kryptowährungen

„BLOCKCHANCE ist eine der größten Veranstaltungen im Blockchain-Ökosystem in diesem Jahr. Es ist von großer Bedeutung, dass wir das Networking-Potential unserer Konferenz ganz ausschöpfen können“, so Fabian Friedrich, Gründer und CEO von BLOCKCHANCE im Vorfeld der Messe. Die Mission der Messe ist es, die Öffentlichkeit über die wirtschaftlichen Perspektiven und gesellschaftlichen Auswirkungen von Blockchains aufzuklären. Diese ‚Ketten’ haben ihren Ursprung in Kryptowährungen wie Bitcoin. Dabei handelt es sich um eine Verschlüsselungstechnologie.

Die Erfindung der Blockchain-Technologie ist zu vergleichen mit der Erfindung des Internets.

Die Datenübertragung erfolgt dezentralisiert und gilt als besonders manipulationssicher. Blockchains können daher in vielen sensiblen Bereichen angewandt werden. Dazu gehören digitale Transaktionen jeder Art: die Abwicklung von Verträgen, digitale Wahlen oder die Ausstellung von Urkunden. Das Potenzial sei, so Fabian Friedrich, groß: „Die Erfindung der Blockchain-Technologie ist zu vergleichen mit der Erfindung des Internets. Die Implikationen auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene sind enorm.“

Blockchains als neue Technologie

Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft und Innovation in Hamburg.

So sieht das auch Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft und Innovation in Hamburg. „Ich bin froh, dass ich heute hier sein kann“, sagte er bei der Eröffnungsrede, „wir stehen vor großen Veränderungen, beispielsweise beim Klimaschutz. Wir brauchen neue Technologien, um diese Herausforderungen zu meistern. Die Blockchains sind ein Teil davon. Wir dürfen sie nicht nur für Bitcoins nutzen, sondern brauchen sie auch für Bereiche wie Technik und Energie.“ 

Aber auch Bitcoins können etwas zum Klimaschutz beitragen. Roman Reher, der den YouTube-Kanal BLOCKTRAINER betreibt, erklärt in einer Fragerunde, wo das eigentliche Potential steckt. „Erneuerbare Energien lassen sich nur schwer steuern. Wenn etwas überproduziert wird, kann der Netzbetreiber es vielleicht noch ins Ausland verkaufen, macht damit aber oft Verluste. Das bremst die Entwicklung der erneuerbaren Energien aus. Durch Bitcoins könnten sie in der Lage sein, überschüssige Energie in Geld umzuwandeln. So kann es sich richtig lohnen, zum Beispiel in Windkraft zu investieren.“ Einige Unternehmen seien bereits an ihn herangetreten, insbesondere aus dem Bereich der Solarenergie. Es gebe allerdings in einigen Firmen das Problem, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die komplexen Zusammenhänge nicht verstehen.

Roman Reher auf der diesjährigen Messe. In einer Fragerunde gab es Tipps und Hintergrundwissen rund um Bitcoins.

Für Reher Grund genug, sich mit Themen wie Bitcoin so früh wie möglich auseinanderzusetzen. „Meine Zielgruppe auf YouTube liegt bei 35 bis 40 Jahren. Die Jungen scheinen sich noch nicht so sehr für Finanzen und Sparen zu interessieren.“ 

 

Früh übt sich

Beim Thema Blockchain sieht das auf der Messe ganz anders aus: Hier sind es nämlich Kinder und Jugendliche, die beim Projekt ‚Blockchain Kindergarten’ in einem Rollenspiel erklären, welche Funktion diese Technologie  besitzt. 

„Die Idee dazu ist, dass wir Erwachsenen, die bisher nicht in dem Thema stecken, die Berührungsängste nehmen möchten“, erklärt Organisator Moritz Schildt von CoinIX in Hamburg. „Es ist schon eine ziemliche Herausforderung, den Kindern selbst zu erklären, wie Blockchains funktionieren und wofür sie da sind“, so Schildt. Und dennoch: „Die Gäste waren begeistert.“ 

Dass sich auch junge Menschen mit der Thematik beschäftigen, hält er für wichtig: „Man muss die Kinder nicht gleich an Blockchains heranführen, aber es ist sinnvoll, sie mit der Digitalisierung vertraut zu machen. Es ist auch wichtig, dass wir sie für das Thema ‚Daten’ sensibilisieren. Sie sollten wissen, was mit ihren persönlichen Daten passieret, wo sie hingehen und mit welchen Technologien man sich schützen kann.“

Die Blockchance treibt Ausbildung voran

Die Frage, wie man die nächste Generation für das Thema begeistern kann, ist also auch auf der Messe ein großes Thema: „Wir arbeiten Hand in Hand mit Universitäten, um Ausbildungen in neuen Technologien voranzutreiben“, erklärt Fabian Friedrich. Nächstes Jahr soll unter dem Namen BLOCKCHANCEx das Thema noch stärker in den Fokus gerückt werden. Gemeinsam mit Partnern wie der Bocconi University in Italien, der International Token Standardization Association in Deutschland, Kriptomat in Estland, der University of California Berkeley in den USA, der University of Cape Town  in Südafrika und dem Karlsruher Institut für Technologie werden Veranstaltungen durchgeführt, die sich jeweils an den Kompetenzbereichen des Instituts orientieren „Das langfristige Ziel von BLOCKCHANCEx ist es, einen Dominoeffekt zu erzeugen, damit die Vermittlung von Kenntnissen über neue Technologien und über Blockchain an diesen Zentren zu einem Selbstläufer wird. Man könnte es einen dezentralisierten Ansatz nennen, um Lernen global zu generieren“, so Fabian Friedrich. 

 

Text: Juliane Urban