Mehr als Meer: CINEMARE Kiel

Mehr als Meer: CINEMARE Kiel

Im Interview mit Till Dietsche, Leiter des Internationalen Meeresfilmfestivals CINEMARE

Vom 24. Bis 28. Oktober 2018 fand in der Landeshauptstadt zum dritten Mal das Kieler Meeresfilmfestival CINEMARE statt. Ergebnis: Mehr Filme, mehr Spielstätten, mehr Preise, mehr Publikum und … viel Meer! Im Gespräch mit Redakteur Chris von NORDTIMES verrät Mitbegründer und Festivalleiter Till Dietsche, wie das CINEMARE entstanden ist, welches Ziel es verfolgt und was Taiwanesen mit Norddeutschland verbinden.

Interview mit Till Dietsche, Leiter des Internationalen Meeresfilmfestivals CINEMARE Kiel

Till Dietsche, Leiter des Internationalen Meeresfilmfestivals CINEMARE Kiel

Moin, Till. Vor wenigen Wochen fand das 3. Internationale Meeresfilmfestival CINEMARE Kiel statt. Salopp gefragt: Wie ist es gelaufen?

Moin, Chris. Das CINEMARE ist großartig verlaufen! Noch sind wir dabei, alle Zahlen und Rückmeldungen auszuwerten, aber es lässt sich jetzt schon sagen, dass wir die Besucherzahlen des Vorjahres steigern, Spielstätten dazugewinnen und eine wachsende Beachtung in den Medien verzeichnen konnten. Auch die Unterstützung von Sponsoren sowie der Stadt Kiel war und ist ein großer Rückhalt. Kiel Sailing City hat uns hervorragend unterstützt und zieht mit uns an einem Strang, ebenso die Bingo Umweltlotterie, die Lighthouse Foundation, und durch die Mitwirkung von Sky Ocean Rescue konnten wir den Meeresschutzfilmpreis erstmalig mit 1.000 Euro dotieren.

CINEMARE Kiel Internationales Meeres-Festival

Voller Kinosaal im metro Kino Kiel, während einer Vorstellung des Internationalen Meeresfilmfestivals CINEMARE Kiel

Für alle, die das CINEMARE 2018 verpasst haben … was waren die Highlights?

Mit der Eröffnungsfeier fing es an. Zum ersten Mal wurde das CINEMARE im Kieler Rathaus mit einem Festakt eröffnet – mit wehenden CINEMARE-Flaggen auf dem Rathausplatz! Gleichzeitig fand die Unterzeichnung eines Partnerschaftsabkommens mit dem Ocean Film Festival San Francisco statt, auf das wir besonders stolz sind! Höhepunkte eines Filmfestivals aufzuzählen, ist schwierig. Für uns ist jeder Film ein Highlight. Unser Programm bot 2018 rund 60 Filme: Dokumentationen und Langfilme, Videokunst sowie eine Kurzfilmnacht. Drei herausragende Festivalmomente möchte ich dennoch hervorheben: Erstens, die Schulvorstellung ‚Untergetaucht‘. Das Forschungstauchboot ‚Jago’ im Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung GEOMAR. Neben dem beeindruckenden Dokumentarfilm konnten Schülerinnen und Schüler das Tauchboot ‚Jago‘ vor Ort bewundern und Fragen an die Tauchbootführer und die Expeditionsleiterin stellen. Zweitens, stellvertretend für viele nationale und internationale Gäste, der Besuch des Delfinschutz-Aktivisten Richard O’Barry, der uns nach dem japanischen Film ‚A whale of a tale’ auf den neuesten Stand der japanischen Delfin-Exportindustrie brachte. Und drittens waren wir natürlich unglaublich stolz, dass NDR und ARTE für die Weltpremiere ihrer aufwendigen Produktion ‚1918. Aufstand der Matrosen’ das CINEMARE Meeresfilmfestival gewählt haben.

CINEMARE Kiel Internationales Meeresfilmfestival

Begegnungen – Still aus dem Film Wonders of the sea

Als ‚Kieler Jung’ hast du dein Abitur an der Humboldt-Schule absolviert und an der Christian-Albrechts-Universität Sinologie und Medienwissenschaften studiert. Wie bist du zum Film gekommen, und wie ist das CINEMARE entstanden?

Das Kino war für mich schon früh ein magischer Ort, der mich an viele Orte entführt hat. Auch Filmfestivals haben mich inspiriert. Ich erinnere mich an unzählige Besuche auf der Berlinale. Zum Filmschaffenden bin ich in Südostasien geworden. Im Rahmen meines Sinologie-Studiums absolvierte ich in den 90er Jahren ein dreimonatiges Praktikum in Taiwan. Aus drei Monaten wurden schließlich drei Jahre, ehe ich in Kiel mein Studium mit der Promotion abschloss. Seitdem ist Taiwan zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich verbringe dort jedes Jahr mehrere Monate und habe dort auch nebenbei ‚Film‘ studiert. Die Idee zu einem Filmfestival entstand in Kiel, nachdem mein erster eigener Film bei einem norddeutschen Filmfestival abgelehnt wurde. Zusammen mit meinem Schulfreund Jan Sellmer, dem heutigen Geschäftsführer des ‚Cinemaxx Kiel‘, beschloss ich daraufhin, ein eigenes Filmfestival zu gründen. Mit dem ‚Kieler Kneipenkurzfilmfestival’ im ‚Hanging Garden’ setzten wir 2004 ein erstes Ausrufezeichen. Mitte der 2000er Jahre entstand die Idee, ein thematisches Filmfestival zu gründen, das zu der Stadt Kiel passt. Gemeinsam mit dem Meeresfilmer Daniel Opitz und der Ocean Mind Foundation war uns schnell klar, dass es nur das Thema ‚Meer‘ sein konnte. Das Meer verbindet alle Kielerinnen und Kieler!

CINEMARE Kiel Internationales Meeresfilmfestival

Die bunte Unterwasserwelt – Filmstill aus Wonders of the sea

Die Themen Klimawandel, Überfischung und Meeresverschmutzung sind brandaktuell. Warum beschäftigt sich das CINEMARE nicht ausschließlich mit wissenschaftlich ausgerichteten Filmen?

Weil das Meer mehr als nur ein Thema verlangt. Das Meer ist ein kultureller Lebensraum, durch den sich unterschiedliche Kulturen definieren. Gleichzeitig ist es ein Sehnsuchtsort, ein Verkehrsweg, ein Nahrungsraum und ein Ort, an dem wir Sport treiben. Das CINEMARE möchte Menschen zusammenbringen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Meer blicken. Je dringlicher die Problematik der Meeresverschmutzung wird, desto wichtiger die Erkenntnis, dass nur wir alle gemeinsam die Probleme lösen können.

Vielen Dank Till, und weiterhin toi, toi, toi für das CINEMARE Kiel.

 

TEXT Christian Dorbandt
FOTOS Sebastian Weimar, „Wonders of the sea“, Conquistador Entertainment