Spezialist über und unter Wasser

Spezialist über und unter Wasser

Wer denkt, ein U-Boot und ein Joghurtbecher könnten nichts miteinander zu tun haben, der kennt die Firma Gabler in Lübeck nicht. 

Gabler ist spitze, wenn es darum geht, Unterseeboote „intelligent“ zu machen. Und genauso spitze, wenn eine Maschine zur Herstellung von Bechern gebraucht wird.

Der Name Gabler steht zuallererst für den U-Boot-Bau. Genauer gesagt für das, was oben am Turm eines U-Bootes herausschaut. Die so genannten Ausfahrgeräte sorgen dafür, dass ein Unterseeboot mit seiner Besatzung in der Lage ist, große Seegebiete zu überwachen und Informationen weiterzugeben – und, auch nicht ganz unwichtig, für die Luftzufuhr ins Innere. Daneben werden bei Gabler aber noch andere Maschinen ent- wickelt, hergestellt und in alle Welt verkauft. Mit den Thermoform-Maschinen werden aus Plastikfolien Becher geformt, zum Beispiel Joghurtbecher.

Gabler wurde 1962 gegründet, hat heute 240 Mitarbeiter und wird von vier Geschäftsführern geleitet. Zwei davon sind zugleich Gesellschafter, das heißt Besitzer des Unternehmens. Derzeit lernen 17 Auszubildende die Berufe Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Technischer Produktdesigner (früher Technischer Zeichner), Industriekaufmann/-frau, Betriebswirt, Fachkraft für Lagerlogistik und Wirtschaftsingenieur. Weil Ausbildung für das Unternehmen so wichtig ist, gibt es das Konzept „Gabler Campus“. Dazu gehört, dass Azubis in Problemfächern unterstützt werden, damit sie in der Berufsschule besser klar kommen. Gabler arbeitet auch mit Studentenzusammen (die sogar zeitweise auf dem Werksgelände in Lübeck-Karlshof wohnen können), bietet Praktikumsplätze für Schüler und unterhält vier Schulpatenschaften.

Worauf man bei Gabler stolz ist? Natürlich auf den wirtschaftlichen Erfolg als „hidden champion“ im Spezial-Maschinenbau und 50 Jahre herausragende technische Neuentwicklungen. Aber auch auf ein gutes Betriebsklima und den fairen Umgang mit den Mitarbeitern. Das Unternehmen gehört zur Tarifgemeinschaft der Metallindustrie. Damit ist es nicht Verhandlungssache, wie viel jemand verdient, wie lange gearbeitet wird und wie viele Tage Urlaub es gibt. Es ist verbindlich für alle festgeschrieben.

Wir vermitteln echtes Spezial-Knowhow

Was er sich von Bewerbern wünscht, was sie bei Gabler erwartet und warum U-Boote nicht zum Schiffe versenken da sind, erklärt Geschäftsführer Thorsten Köll.

Herr Köll, hier auf dem Werksgelände in Lübeck-Karlshof gibt es die Gabler Maschinenbau GmbH und die Gabler Thermoform GmbH & Co. KG. Sind das zwei Firmen oder eine?
Das ist ein Unternehmen mit zwei Unternehmensteilen, die sich gegenseitig hervorragend ergänzen. Wir kommen aus der Marinetechnik, stellen spezielle Geräte für U-Boote her und sind in diesem Bereich sehr gut positioniert. Doch sogar für uns als Weltmarktführer können sich Auslastungslücken ergeben. Um diese sinnvoll schließen zu können, wurde schon 1973 mit dem Thermoformen begonnen, woraus 2004 das Tochterunternehmen GABLER Thermoform GmbH & Co. KG hervorging.

Was bedeutet Thermoform?
Unsere Maschinen verformen eine Folie zu Bechern, Schalen oder Deckeln. Das können zum Beispiel Joghurtbecher, Margarinetöpfe oder Trinkbecher sein.

Klingt nicht so spannend wie der Bau von U-Boot-Zubehör…
U-Boote haben sicher ihre besondere Faszination. Aber auch die Thermoform-Maschinen sind für unsere Mitarbeiter, Auszubildenden und Studenten, die hier ihre praxisbezogenen Seminar- oder Abschlussarbeiten machen, alles andere als uninteressant. Wir fertigen ja keine Serien, sondern Maschinen in kleinen Stückzahlen. Wir vermitteln dabei echtes Spezial-Knowhow.

Findet die Ausbildung in beiden Unternehmensteilen statt?
Traditionell eher bei Gabler Maschinenbau. Aber die Azubis lernen meistens beide Unternehmensteile kennen. Die Industrie- und Zerspanungsmechaniker, Elektroniker für Betriebstechnik und die Technischen Produktdesigner (früher Technische Zeichner) verbringen zudem ihr erstes halbes Jahr nicht bei uns, sondern in der Lehrwerkstatt bei der Firma Baader in Lübeck-Genin.

Was sollten Bewerber mitbringen?
Vor allem sollten sie wissen, was sie wollen. Das heißt, mit dem Beruf, den sie sich ausgesucht haben, etwas anfangen zu können und ihn nicht nur als Durchgangsstation zu sehen. Was nicht bedeutet, dass wir später nicht jeden unterstützen, der sich weiter entwickeln will.

Wie sind die Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden?
Gut. Wir bilden für unseren Bedarf aus und unsere Auftragsbücher waren noch nie so voll wie jetzt.

Gabler rüstet U-Boote aus. Profitiert das Unternehmen von Kriegen?
U-Boote werden heute in ganz anderen Einsatzbereichen eingesetzt, etwa bei der Bekämpfung von Piraterie, Terrorismus, Drogen- oder Waffenschmuggel. Es geht um Aufklärung und Kommunikation und nicht ums Schiffe versenken.

Dürfen Gabler-Mitarbeiter oder Azubis manchmal auf einem U-Boot mitfahren?
Das kommt vor, ist aber die Ausnahme. Es gibt viele Hürden, wegen der Geheimhaltung und weil dafür Gesundheitsnachweise vorgeschrieben sind.

Sind Sie selbst schon mitgefahren?
Nein. Aber einer meiner drei Geschäftsführer-Kollegen war früher U-Boot-Kommandant. Der kann sehr interessant davon erzählen.

Danke für das Gespräch. 

TEXT & FOTO Sabine Spatzek