„SEMINAR“ FÜR DIE ZUKUNFT! Das Berufsorientierungsprogramm der Carl-Maria-von-Weber-Schule Eutin

„SEMINAR“ FÜR DIE ZUKUNFT! Das Berufsorientierungsprogramm der Carl-Maria-von-Weber-Schule Eutin

Tim Martens absolvierte sein Lehramtsstudium an der Universität Hamburg und unterrichtet die Fächer Englisch und WiPo. Mit dem sogenannten „Seminar“ hat er gemeinsam mit seiner Kollegin Kristina Pisot ein besonderes Unterrichtsmodell zur Berufs- und Studienorientierung (BSO) entwickelt, das im November 2016 durch das bundesweite BERUFSWAHLSIEGEL-Netzwerk zertifiziert wurde. Pisot ist Oberstufenleiterin und Mitglied der Schulleitung der Carl-Maria-von-Weber-Schule Eutin. Ihre Unterrichtsfächer sind Deutsch und Geschichte. Ihr Lehramtsstudium absolvierte sie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

In welcher Form findet Berufsorientierung an der Weberschule statt?

Pisot: Wir bieten in fünf von sechs Oberstufen-Semestern einen regelmäßigen Unterricht zur Berufs- und Studienorientierung an. 2003 haben wir als eines der ersten Gymnasien in Schleswig-Holstein damit begonnen, uns mit beruflichen Themen zu beschäftigen. Nach der Einführung der Profiloberstufe 2008 wollten wir ein Schulfach daraus entwickeln. Dieses Fach nennen wir ‚Seminar’. Es ist für alle Oberstufenschüler verpflichtend.

Wir versuchen den Schülern, Schritt für Schritt ihre Möglichkeiten aufzuzeigen und Impulse zu setzen.

Mit welchen Inhalten beschäftigen sich die Schüler im ‚Seminar’?

Pisot: In den Seminarstunden versuchen wir, Schülern Schritt für Schritt ihre Möglichkeiten aufzuzeigen und Impulse zu setzen. In der Fachsprache heißt das ‚spiralcurriculare Begleitung’, die wir in einem Vierstufenmodell entwickelt haben. Unsere Berufs- und Studienorientierung beginnt im 11. Jahrgang mit der Sensibilisierung für berufliche Themen und führt anschließend zur ‚Selbstanalyse’. Mithilfe des sogenannten Geva-Tests können Schüler ihre Interessen, Stärken und Schwächen ermitteln und sich mit den Fragen ‚Was kann ich?’ und ‚Was will ich?’ beschäftigen.

Martens: Der Besuch der Messe Nordjob in Lübeck ist ein weiterer wichtiger Baustein unserer Studien- und Berufsorientierung. Dort verabreden sich Schüler zu festen Terminen mit den ausstellenden Arbeitgebern und sammeln wertvolle Informationen. Im 12. Jahrgang steht die ‚Selbsterprobung’ im Vordergrund. Es geht um die Fragen: ‚Wie bewerbe ich mich?’, ‚Was ist ein Assessment-Center?’ oder ‚Wie verhalte ich mich bei einem Vorstellungsgespräch?’. Dazu laden wir externe Partner an die Schule ein oder besuchen Veranstaltungen. Im 13. Jahrgang beschäftigen wir uns mit dem Übergang ins Berufsleben und sprechen konkret über BAföG, Sozialversicherungen oder über die Aufnahmebedingungen von Hochschulen.

Was sind die Ziele Ihres BSO-Programms?

Pisot: Berufs- und Studienorientierung ist ein Entwicklungsprozess. Die Inhalte lassen sich nicht auswendig lernen und am Ende durch eine Klausur abfragen. Wir verstehen Berufs- und Studienorientierung auch als Lebensorientierung und bieten in den Seminarstunden Workshops zu den Themen ‚Drogen und Führerschein’ sowie ‚Stress’ an.

Martens: Wir möchten, dass Schülerinnen und Schüler sich umfassend mit ihren Möglichkeiten beschäftigen, darüber reflektieren und auch mal über den Tellerrand hinausblicken. Wer beispielsweise die Bundeswehr als Arbeitgeber ablehnt, sollte trotzdem wissen, dass sie einer der größten Arbeitgeber Norddeutschlands ist, auch in vielen zivilen Berufen ausbildet und Studienangebote hat. Es geht darum, Scheuklappen abzulegen und sich rundum zu orientieren, um den passenden Weg zu finden.

 

TEXT Christian Dorbandt
FOTOS Berta-Luisa Dette