Meine Arbeit ist meine Leidenschaft – Kommunikationsdesign

Meine Arbeit ist meine Leidenschaft – Kommunikationsdesign

Anna Cringle studiert Kommunikationsdesign an der Design Factory International und hat es aus dem Studium in die berühmte Werbeagentur „Jung von Matt“ geschafft.

Design, Grafik, Film – die Generation Z wächst multimedial auf und zeigt großes Interesse an kreativen Berufen. Zum Beispiel für das Berufsbild „Kommunikationsdesigner/in“. Eine angesehene Schule für diesen Ausbildungsweg ist die Design Factory International (DFI) in Hamburg-Altona. Mit zurzeit etwa 190 Studierenden zählt sie zu den größten privaten Design Colleges in Norddeutschland: Sie bietet die dreijährige Ausbildung im Studienformat an. Voraussetzungen: Das Mindestalter von 16 Jahren, einen Schulabschluss sowie der Nachweis kreativen Potenzials durch eine Mappenbewerbung. Eine ihrer Studierenden ist Anna Cringle. Ihr ist das gelungen, von dem viele träumen: Sie erhielt einen Vertrag als Werkstudentin bei der renommierten Werbeagentur Jung von Matt“ (JvM) und hat den ersten Sprung von der Theorie in die Praxis erfolgreich gemeistert. Im Interview berichtet sie über ihre erfolgreiche Agentur-Bewerbung, den Arbeitsalltag bei JvM und ihre Zukunftspläne.

Hallo Anna. Du studierst Kommunikations­design an der Design Factory Internatio­nal. Was gefällt dir an der DFI besonders gut?

Die Freundschaften, die während der Ausbildung entstanden sind und die Möglichkeiten, eigene Projekte zu gestalten. Diese Freiheit sollte man unbedingt nutzen, denn in der typischen, normalen Arbeitswelt gelten sicher andere Regeln.

Und was gefällt dir nicht so gut?

Die Momente, in denen Zweifel auftauchten, ob das, was ich tue, wirklich das Richtige ist. Ob ich wirklich gut genug bin?

Eine Werbeanzeige von JvM für Nikon.

Eine Werbeanzeige von JvM für Nikon.

Vor Kurzem hast du deine Ausbildung un­terbrochen, um in der berühmten Werbe­agentur „Jung von Matt“ ein Praktikum zu machen. Wie hast du die Stelle bekom­men?

Ich habe mich mit einer Mappe beworben! Viele Monate lang hat es gedauert, bis ich mich getraut habe, mein Portfolio endlich abzuschicken. Es war exakt auf die Stelle des von JvM ausgeschriebenen Art Direction-Praktikum zugeschnitten. Die Mappe bestand aus zwölf Arbeiten, sieben klassischen Werbeplakate, die in meinem DFI-Kurs entstanden sind sowie weiteren Designs und einer freien Arbeit. Natürlich habe ich immer mal wieder nachgefragt, was ich richtig gemacht oder aber hätte besser machen können. Entscheidend war wohl der Nachweis eines freien Projekts. Das war in diesem Fall ein Zusammenschnitt aus Videomaterial von einer Gopro-Kamera, die ich beim Surfen in Australien dabei hatte.

Gab es ein persönliches Bewerbungsge­spräch?

Ja, und davor war ich auch sehr aufgeregt. Die Aufregung legte sich aber schnell, als mich die Art-und Creative Directors in den Besprechungsraum riefen. Eine Stunde nahmen sie sich Zeit und sprachen mit mir über Wünsche, Erwartungen und meine Mappe!

Warum wolltest du Praxiserfahrungen in einer Werbeagentur sammeln?

Ich wollte wissen, wie gute Werbung funktioniert und als Praktikantin überzeugende Arbeit leisten. Mir kamen aber auch Zweifel. Vielleicht bin ich nicht kreativ genug? Kann ich mich in Photoshop so bewegen, wie es von mir verlangt wird? Werden mich die Kollegen ablehnen? Die meisten Befürchtungen lösten sich aber schon nach den ersten Tagen in Luft auf.

Wie erlebst du die Zeit bei „Jung von Matt“? Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Welche Highlights gab es bisher? Was wa­ren schwierige Momente?

Für mich ist der Traum in Erfüllung gegangen, mit einer kreativen Tätigkeit meinen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Meine Arbeit ist meine Leidenschaft und jedes noch so kleine Erfolgserlebnis motiviert mich. Am Anfang hat es etwas gedauert, bis ich verstanden habe, dass niemand darauf achtet, ob ich um neun oder halb elf Uhr am Arbeitsplatz sitze oder wie ich meine Mittagspause verbringe. Wichtig ist nur, die Deadlines einzuhalten. Wenn am nächsten Tag um zehn Uhr der Kunde kommt, muss das Layout fertig sein. Mich an diesen Rhythmus zu gewöhnen, fiel mir anfangs schwer.

Jedes noch so kleine Erfolgserlebnis motiviert mich.
-Anna Cringle

Ansonsten verläuft mein Alltag folgendermaßen: Zwischen neun und zehn Uhr komme ich in die Agentur. Jeden Morgen gibt es ein Frühstück mit Brötchen, Rührei und reichlich Obst. Am Arbeitsplatz checke ich die E-Mails und Termine. Routinetätigkeiten erledige ich eigentlich nicht. Als Assistant Art Director helfe ich immer da, wo es gerade brennt. Und die Jung von Matt-Regel Nummer 1 lautet: Es brennt immer und überall. Oft bin ich mit Aufgaben konfrontiert, die ich vorher noch nie gemacht habe. An einem Abend musste ich beispielsweise noch schnell ein Verpackungsdesign erstellen, das bereits am nächsten Tag bei einem „Pitch“ (Ausschreibung für einen Werbeauftrag) präsentiert werden sollte. Das war wirklich krass! Ich habe aber das Glück, in alle Prozessabläufe eingebunden zu sein und darf Printmotive, Kampagnen und Filme konzipieren und präsentieren. Meine Entwürfe werden immer ernst genommen und vielleicht gibt es dieses Jahr sogar schon etwas von mir zu sehen.

Werbedesign muss gestaltet und präsen­tiert werden. Wie läuft ein Projekt ab?

Es beginnt mit einem sogenannten „Briefing“. Solche Besprechungen erfolgen in zwei Phasen, einer Ausdenk- und einer Bauphase. In der Ausdenkphase wird das Konzept erstellt. In der Bauphase photoshoppen und layouten wir. Sobald die Konzepte verkauft worden sind, kommen vom Kunden Änderungswünsche: ‚Etwas muss drei Millimeter nach rechts. Das Bild bitte quer. Das Logo aber in grün‘. Ich muss dann viele E-Mails verfassen, telefonieren sowie hin und wieder etwas allein entscheiden. Das kann einen manchmal schon überfordern.

Welche Kenntnisse aus deiner Design Fac­tory helfen dir bei deiner Arbeit?

Ich profitiere vor allem von den Kreativitätstechniken, die ich an der Design Factory gelernt habe. Sehr wichtig sind gute Kenntnisse der Programme Photoshop und Indesign sowie typografische Kenntnisse.

Auch TUI gehört zu den Kunden der Werbeagentur

Auch TUI gehört zu den Kunden der Werbeagentur

Die Werbebranche gilt als hart. Wie re­agiert dein Umfeld auf deine Arbeit?

Mich nerven die Vorurteile über „Jung von Matt“. Ständig heißt es: „Alle JvM-Mitarbeiter sind selbstverliebt, egozentrisch, halten sich für etwas Besseres, arbeiten täglich bis tief in die Nacht und haben ihre Seele an die Werbung verkauft“. Und wenn ich dann mal von meinen Erfolgen erzähle, wird das als Angeberei abgetan. Das nervt mich wirklich.

Du möchtest deine Ausbildung auf jeden Fall abschließen. Wie soll es dann weiter­ gehen? Wo siehst du dich im Jahr 2025?

Ich würde nach der Ausbildung irgendwann sehr gern Erfahrungen im Ausland sammeln und beispielsweise in Sydney, L.A. oder New York in der Werbebranche arbeiten. Who knows? Und im Jahr 2025 … habe ich dann vielleicht eine eigene kleine Familie. Das wäre schön.

Weitere Informationen zum Studium unter: www.design-factory.de.

TEXT Christian Dorbandt, Anna Cringle
FOTOS Anna Cringle