Fischen ist Leidenschaft

Fischen ist Leidenschaft

Fisch direkt vom Kutter, das gibt es in Eckernförde noch. Einer von denen, die morgens um 3:30 Uhr im Dunkeln raus auf die Ostsee fahren, um die Stellnetze reinzuholen und bei Sonnenaufgang fangfrischen Hering feilzubieten, ist Robert Dann. „Fischen war schon immer ein großer Traum von mir. Bereits als kleiner Junge wusste ich, dass ich Fischer werden möchte”, ruft Dann mir von seinem Kutter entgegen während er einem Hering nach dem anderen mit einem kleinen scharfen Messer den Kopf abtrennt. Mit 40 Jahren hat der gelernte Bombenentschärfer seinen Kindheitstraum schließlich wahr gemacht und neben seiner Arbeit beim Kampfmittelräumdienst eine Lehre zum Fischer absolviert. „Meine Eltern wollten, dass ich was ,Vernünftiges’ lerne, aber der Wunsch zu fischen hat mich einfach nicht losgelassen”, erklärt Dann seine spätere berufliche Entscheidung.


Unbegrenzt fischen darf er jedoch nicht, denn auch als Nebenerwerbsfischer muss er sich an eine von der EU vorgeschriebene, strikte Fangquote halten, also eine festgesetzte Menge an Fisch, die in einem abgegrenzten Gebiet innerhalb eines bestimmten Zeitraums gefangen werden darf. Für Dann kein Problem, denn er fischt aus Leidenschaft und nicht auf Masse. „Mich reizt das Ursprüngliche am Fischen – wie früher auf die Jagd zu gehen. Der schönste Moment ist die Ruhe und die Einsamkeit, wenn ich morgens um 3:30 Uhr mit meinem Kutter auf die Ostsee fahre, um die Stellnetze reinzuholen.”

Auf den Tisch kommt heute Fisch!

Zwischen sieben und neun Uhr morgens, je nachdem, wie voll seine Netze sind, taut er seinen Kutter am Pier in Eckernförde fest und wartet auf Kundschaft. Während sich vor seinem Boot bereits nach kurzer Zeit eine kleine Menschentraube bildet, kreisen über ihm ganz aufgebracht die Möwen. „Die freuen sich schon auf die Fischreste”, lacht Dann und wiegt frischen Hering in weißen Plastiktüten für seine Kunden ab. Was er nicht verkauft, nimmt er für seine Familie mit, denn: heute gibt’s Fisch, ist doch klar!

TEXT Sophie Blady
FOTO Sophie Blady