Wakeboarder versus Banker

Wakeboarder versus Banker

Warum Sportler und Krawattenträger doch gut miteinander klarkommen

In der Brust von Michael Hollesen schlagen zwei Herzen – das des Sportlers und das des Bankers. Und obwohl ihre Schlagfrequenzen unterschiedlich hoch sind, finden sie doch irgendwie einen gemeinsamen Rhythmus. Sind sich vielleicht beide Herzen gar nicht so unähnlich, wie man meinen würde? 

Es begann ganz ohne Plan und völlig spontan im Urlaub an der kroatischen Adria. Michael Hollesen und sein Freund genossen den Sommer am Strand und sahen anderen beim Wakeboarding zu. Coole Sache, dachten sie und entschlossen sich kurzerhand, es auch mal zu versuchen. Sie schlüpften in Neoprenanzüge und schnallten sich Boards unter die Füße: „Wir haben uns das selbst beigebracht“, erinnert sich Michael Hollesen. Anstatt es mal vorsichtig an einer Seilanlage auszuprobieren, hängten sich die Zwei gleich hinter ein Motorboot: „Hinter einem Boot zu waken ist viel schwieriger, als auf einer Anlage“, erklärt er. Aber der Ehrgeiz hatte sie gepackt und nach zwei Tagen standen sie endlich auf ihren Boards: „Ich muss schon zugeben, dass wir am Abend ganz schön kaputt waren – das geht ordentlich in die Arme!“ Ihre Versuche blieben nicht unbeobachtet: „Die Leute in den vorbeifahrenden Booten haben uns animiert, etwas auf unseren Boards vorzuführen. Wir haben das natürlich auch versucht – ist aber erst einmal ziemlich in die Hose gegangen“, muss er schmunzeln. Froh, die Grundstellung „Goofy“ endlich zu beherrschen, haben sie sich dann langsam auf der Bugwelle des ziehenden Bootes bewegt. Ein bisschen nach links, dann ein bisschen nach rechts: „Im ersten Jahr konnten wir stehen. Im zweiten schon schlenkern und im dritten sogar die Seiten wechseln“, beschreibt er.

Zu Hause geht es ab und zu auf die Anlagen. Dort zieht ein Seil die Wakeboarder über das Wasser. Das ist zwar nicht so schnell, aber für zwischendurch eine super Alternative: „So kann man auch alte Tricks immer mal wieder auffrischen und bleibt am Ball“, findet Michael Hollesen.

Und wie ist es so in der Bank? Ist es dort auch manchmal so, als würde man auf einem Wakeboard stehen? „Da gibt es ganz viele Parallelen“, findet der Azubi, „aber auch ganz viele Unterschiede.“ Das beginnt schon bei den ersten Schritten: „Wir haben uns einfach auf die Boards gestellt und los ging es. In der Bank werden wir deutlich besser vorbereitet. Wir hatten eine Einführungswoche, in der wir schon einige Grundlagen mit auf den Weg bekommen haben. Auch in der Berufsschule bekommen wir eine ganze Menge Theorie mit, die man im Bankalltag dringend benötigt. Dabei hat man immer Hilfestellung von seinen Kollegen und Ausbildern.“ Goofy klappt!

Ein junger Mann steht in Jacket und Badehaose mit seinem Wakeboard in einer Bankfiliale.

Azubi Michael Hollesen mit seinem Wakeboard.

Aber dann kann Michael Hollesen auch unglaublich viele Vergleiche zwischen dem Waken und der Bankausbildung ziehen: „Man hat den Anspruch, sich stetig zu verbessern und lernt jeden Tag etwas Neues – eine neue Drehung beim Waken oder ein neues Wertpapier in der Bank.“ Und wenn es nicht so gut läuft, sich ein Fach in der Berufsschule einfach nicht erschließen will, die Zwischenprüfung droht oder ein Kunde nicht ganz einfach war? „Dann heißt es, aus dem Wasser herausdrücken! Man muss auch mal ins Wasser fallen, um wieder aufzustehen – dann kann man auch stolz auf sich sein, wenn man die Welle geschafft hat… oder der Kunde dann doch mit einem Lächeln die Bank wieder verlässt.“

Waken und der Job in der Bank sind also gar nicht so unterschiedlich, wie man zuerst meint. Viele Eigenschaften helfen in beiden Bereichen und auch viele Anforderungen sind ähnlich: „Doch eines ist grundlegend anders“, findet Michael, und das ist auch ein Grund dafür, weshalb ihm seine Ausbildung bei der Bank so gut gefällt: „Beim Waken bin ich ein Einzelkämpfer und ganz auf mich allein gestellt – in der Bank bin ich ein Teamplayer!“

Text Claudia Kleimann-Balke
Fotos Tim Riediger