Studieren, wo andere Urlaub machen

Studieren, wo andere Urlaub machen

Bildungsministerin Wara Wende über ein Studium in Schleswig-Holstein und wie SchülerInnen ihr Wunschfach finden

Laut Hochschulkompass können AbiturientInnen und AbsolventInnen mit Fachhochschulreife aus über 400 Studiengängen an schleswig-holsteinischen Hochschulen wählen. Wie können junge Leute Licht ins Dickicht bringen, um das geeignete Studium auszuwählen?
In der Tat bieten unsere Hochschulen und Fachhochschulen eine sehr breite Palette an Studien-Möglichkeiten und da gibt es auch ungeahnte Möglichkeiten: Wer weiß zum Beispiel schon, dass die Universität Lübeck ein international anerkannter Schwerpunkt für Medizinische Robotik ist, was man mit dem Studium der Ökotrophologie an der Kieler Universität anfangen kann oder, dass man an der Fachhochschule Flensburg ‚Regenerative Energietechnik‘ studieren kann. Gut, dass die Hochschulen mittlerweile ein breites Info-Angebot vorhalten. Das reicht von der klassischen Studienberatung über sehr informative Internet-Angebote bis hin zu Schnuppertagen. Ich kann nur allen, die sich für ein Studium interessieren, raten: Nehmen Sie diese Info-Angebote an, gehen Sie hin, schauen Sie sich vor Ort um, sprechen Sie mit Studierenden und vor allem – seien Sie offen für die vielfältigen Möglichkeiten, die die Hochschulen in Schleswig- Holstein bieten.

Immer beliebter wird das Duale Studium – eine Mischung aus Hochschul- und Berufsausbildung. Für wen ist diese Form geeignet?
Das Duale Studium ist vor allem geeignet für Frauen und Männer, die eher praxis- orientiert sind. Hier können sie sich aktuelles Fachwissen aneignen, das sie in der vorlesungsfreien Zeit im Unternehmen praktisch anwenden. Die Kombination von Studium und Beruf bietet einen optimalen Einstieg in die Arbeitswelt und gleichzeitig finanzielle Unabhängigkeit sowie am Ende gute Übernahme- und Aufstiegschancen im Unternehmen und sehr gute Chancen am Arbeitsmarkt.

Vor allem die Kieler Uni platzt derzeit aus allen Nähten. Ist ein Studium an einer Fachhochschule in Schleswig-Holstein vielleicht eine bessere Alternative, weil sich die ProfessorInnen intensiver um die Studierenden kümmern können? Für wen ist die FH geeignet?
In der Tat haben wir es zurzeit mit einer Welle an Studierenden zu tun, nicht nur weil die ersten Doppeljahrgänge aus den Gymnasien anderer Bundesländer nun an die Hochschulen drängen, sondern weil zugleich auch die Wehrpflicht abgeschafft wurde. Die Entscheidung, ob Fachhochschule oder Universität, sollte allerdings jeder für sich und unter inhaltlichen Gesichtspunkten fällen. Immerhin ist nicht nur die Fächerauswahl unterschiedlich, sondern auch die Studienanforderungen und späteren beruflichen Perspektiven. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass diese Landesregierung sich die Stärkung der Fachhochschulen zur Aufgabe gemacht hat.

Was sagen Sie jungen Leuten, die fragen, warum sie überhaupt in Schleswig-Holstein studieren sollen?
Weil Schleswig-Holstein viel zu bieten hat. Mal abgesehen von einer hohen Lebensqualität: Wer studiert schon, wo andere Urlaub machen? Auch unsere Hochschullandschaft ist sehr reizvoll und spannend! Wir haben drei Universitäten, vier Fachhochschulen, eine Kunsthochschule und eine Musikhochschule, die allesamt viel zu bieten haben: Innovative Studiengänge, klassische Ausbildungen, wissenschaftliche Perspektiven und international anerkannte Forschungsschwerpunkte. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich genauer zu informieren.

Was halten Sie von der bei einigen Eltern beliebten Losung: „Kind, lerne erst mal einen bodenständigen Beruf! Und wenn du dann noch willst, kannst du zur Uni?“
Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Die Erfahrungen, die man während der Ausbildungszeit macht, können sehr hilfreich sein im Studium, zum Beispiel was die Selbst-organisation angeht. Aber auch hier gilt wieder: Einen pauschalen Rat kann man gar nicht geben. Mir ist wichtig, dass jede Schülerin und jeder Schüler die eigenen Begabungspotenziale so weit wie möglich ausschöpfen kann. Dabei wollen wir die jungen Menschen unterstützen in der Schule, in der Ausbildung und in der Hochschule.

RGB_Wende_2013

Prof. Dr. Waltraud ‚Wara‘ Wende ist seit dem 12. Juni 2012 Ministerin für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig- Holstein. Vor ihrem Ministeramt war sie 2 Jahre lang Präsidentin der Universität Flensburg.

 

TEXT Joachim Welding
ILLUSTRATION Raphaelle Martin