startIng! Erstsemester meistern Industrieprojekt

startIng! Erstsemester meistern Industrieprojekt

Knifflige Aufgaben zum Studienstart an der FH Kiel / Maschinenhersteller Krones lässt die Köpfe der angehenden Ingenieure rauchen

Sobald sich die Erstsemester ins Hochschulleben eingewöhnt haben, dürfen die Ingenieure von morgen gleich zeigen, was sie können: startIng! heißt das Super-Projekt, mit dem die Fachhochschule Kiel die jungen Leute jedes Jahr aufs Neue begeistert. 160 „Erstis“ lösten jetzt in 14 Teams eine knifflige Aufgabe, die der Maschinenhersteller Krones vorgegeben hat.

Denken wie ein Ingenieur, handeln im Team. Was im Berufsalltag ganz normal ist, lernen hier junge Leute, die vielleicht vor einigen Monaten noch die Schulbank gedrückt und sich fürs Abi oder Fachabi vorbereitet haben. Doch startIng! fordert die jungen Talente bewusst ganz früh heraus. „Alle erfahren Anerkennung für ihr Engagement, und der Teamgeist stärkt die Kontakte zwischen den Studierenden. Diese Erfahrung motiviert für das ganze anspruchsvolle Ingenieurs-Studium“, meint Professor Jan Henrik Weychardt vom Fachbereich Maschinenbau. Er organisierte jetzt die neunte Ausgabe von startIng! an der FH Kiel – wobei die Maschinenbauer erstmals mit den Elektrotechnikern und Informatikern aus dem ersten Semester in Teams zusammenarbeiten mussten.

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Ergebnisse präsentieren: Die Studierenden Steffen Frenz (l.) und Kimberli Wunderlich zeigen Prof. Jan Henrik Weychardt den Team-Entwurf der Recyclinganlage für Krones.

Warum klein anfangen, wenn es auch richtig dick geht? Im Flensburger Werk von Krones konstruieren und bauen über 450 Mitarbeiter mächtige, haushohe Flaschenreinigungsanlagen für die Recycling-Industrie. Und hier kommen die Studis ins Spiel: Sie bekamen die Aufgabe, in den Teams die beste Lösung für eine reale Herausforderung bei Krones zu erarbeiten – in nur fünf Tagen! „Sie sollten ein Verfahren entwickeln, um die auf Paletten gelieferten, ineinander verkeilten Kunststoff-Flaschen voneinander zu trennen, ohne sie zu beschädigen. Dabei sollten auch gleich die Etiketten der PET-Flaschen sowie die Bindedrähte der Ballen automatisch entfernt werden“, erklärt Jörg Blanke, Leiter der Konstruktionsabteilung bei Krones. Kurz und gut: Die Aufgabe ist sehr komplex und kann nur gemeinsam bestmöglich gelöst werden.

Die angehenden Ingenieure ließen sich auf dem Kieler Campus nicht lange bitten: „Nach der Kennenlernphase haben wir uns zusammengesetzt und uns gefragt: Was ist zu tun? Anschließend haben wir uns in Teilgruppen zusammengesetzt, um nach Lösungen zu suchen“, erzählt Kimberli Wunderlich. Die 19-Jährige hat nach dem Abi ihr Informatik- und Elektrotechnik-Studium begonnen und staunte nicht schlecht. „Es war schön zu erfahren, wie ein Ingenieur arbeitet – das habe ich mir vorher gar nicht so vorgestellt. Und ich habe nach dem Projekt erkannt:

Ja, dieses Studium ist genau richtig für mich!“ Speziell das Arbeiten im Team müssen viele lernen: „Da arbeiten Frauen mit Männern, jüngere und ältere Studierende zusammen, die alle eine unterschiedliche Mentalität vom Leitwolf bis zum Einzelgänger haben“, erzählt Prof. Weychardt. So war es wichtig, in den ersten beiden Tagen eine Teamkultur zu entwickeln, wobei studentische Sozialpädagogik-Coaches der FH Kiel bei Problemen moderierten.

„Wir konnten die Schwarmintelligenz der jungen Studierenden nutzen – toll!“ Jörg Blanke, Krones AG

Mit geballter Teampower und einem Feuerwerk an Ideen ging es dann ans Tüfteln: „Bei uns lief alles Hand in Hand: Wir haben eine Prozesslinie aufgebaut, wobei Ideen teilweise an kleinen Modellen auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden“, erzählt Steffen Frenz (22), der vor seinem Studium Mechatroniker gelernt hat. „Das Schwierige bei der Projektarbeit ist: Es gibt viele Wege, um zum Ziel zu kommen. Der Ingenieur muss also selbst die Aufgabe präzisieren, um die technischen Lösungen entwickeln zu können.“ Neben der Erarbeitung des Konzepts sollten die Kommilitonen auch die Machbarkeit, die Kosten und sogar die Patentwürdigkeit bewerten. Zum Schluss entwickelten sie eine multimediale Präsentation, die die Bewegungsabläufe der Recyclinganlage sichtbar macht. Der Lohn der Arbeit: Kimberli und Steffen siegten jeweils mit ihren Teams!

„startIng! ist ein Superprojekt für unser Unternehmen – und das auf mehreren Ebenen“, meint Jörg Blanke von Krones. „Wir haben tatsächlich viele wertvolle Lösungsansätze für die realen Herausforderungen bei uns bekommen. Wir konnten sozusagen die Schwarmintelligenz der jungen, motivierten Studierenden nutzen.“ Außerdem seien wertvolle Kontakte entstanden: „Diplomanden und Praktikanten, die wir schon kennengelernt haben, nehmen wir natürlich sehr gerne. Denn uns ist es wichtig, frühzeitig Fachkräfte von morgen an unser Unternehmen zu binden“, sagt Jörg Blanke. Und wenn dann noch so viel Leidenschaft und Kreativität im Spiel ist, gilt die Erkenntnis frei nach dem Dichter Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann sag den Leuten nicht, sie sollen Holz beschaffen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem Meer.“

TEXT Joachim Welding
FOTOS FH Kiel, Joachim Welding


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