SCHAFFEN WIR DAS?

SCHAFFEN WIR DAS?

Ministerpräsident Torsten Albig zu Gast an der A. P. Møller Skolen in Schleswig

Was bewegt junge Menschen in Schleswig-Holstein? Wie blicken sie in die Zukunft? Was erwarten sie von der Politik? Das Thema „Zukunft“ bewegt jede Generation. Unter dem Motto „Dialog mit der Zukunft“ diskutierte Ministerpräsident Torsten Albig mit rund 25 Schülern der A. P. Møller Skolen in Schleswig. 

Zuwanderung, Integration, Arbeit und berufliche Zukunft. Themen, die Schülerinnen und Schüler besonders intensiv beschäftigen. Klar. Nach der Schule stehen auch sie vor der Herausforderung, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Und auch die Politik steht vor riesigen Herausforderungen. Wie die Fakten belegen:
– Die Zahl der Menschen, die in Schleswig-Holstein Zuflucht suchen, steigt beständig. Nahm das Land vor fünf Jahren 1.506 asylsuchende Menschen auf, waren es 2014 bereits 7.620 und 2015 stieg die Zahl der in Ersteinrichtungen aufgenommenen Menschen um das Siebenfache auf rund 55.000, ausgelöst durch die hohen Flüchtlingszahlen aus Syrien.
– Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) meldete Ende August 2016 bundesweit noch 172.224 freie Ausbildungsstellen zum Start des neuen Ausbildungsjahres.
– Die Anzahl an Abiturienten stieg allein in Schleswig-Holstein um 40 Prozent, bedingt durch den doppelten Abiturjahrgang (Umstellung auf G8).
– Schülerinnen und Schüler haben nach der Schulzeit die Auswahl von bundesweit 328 anerkannten dualen Ausbildungsberufen und 18.044 Bachelor- und Masterstudiengängen an deutschen Hochschulen.

Extreme Zahlen, die Chancen offenbaren, aber auch Ängste hervorrufen. Im Rahmen seiner Diskussionsreise durch schleswig-holsteinische Schulen machte Ministerpräsident Torsten Albig Halt an der Schlei, um mit Schülerinnen und Schülern der dänischen Minderheit über ihre Zukunft zu diskutieren. Seine Fragen an die Generation Z: „Ihr gehört zu einer Minderheit in Deutschland. Was sind eure Zukunftsgedanken? Was läuft falsch in der Politik? Und was läuft vielleicht nicht ganz so falsch? Wie seht ihr eure Zukunft?“

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Antwort aus der Schülerschaft: „Ja, wir sind eine Minderheit. Und auch Flüchtlinge stellen eine Minderheit dar. Aber wir sind alle Menschen. Und Menschen haben Rechte. Und Ängste. Durch monatelange Isolierung in Wohncontainern entstehen logischerweise Konflikte. Warum können wir Flüchtlinge nicht schneller und besser integrieren und in Arbeit bringen?“ Volltreffer. Das Thema Zuwanderung entwickelt sich zum vorherrschenden Stoff der Diskussion. Kein Wunder, offenbart es doch, wie kein zweites Thema, viele Ängste, extreme Haltungen und zahlreiche Forderungen an die Politik. Auch unter den Schülerinnen und Schülern der dänischen Schule gab es kontroverse Meinungen. Ein Statement: „Es ist beschämend, wie sehr wir die Menschlichkeit aus dem Auge verloren haben. Menschen im Ausland tragen mit ihrer Arbeit und ihrem Konsum zu unserem Wohlstand bei und wir treten sie mit Füßen, wenn sie um Hilfe bitten!“ Eine andere These: „Es kann nicht richtig sein, Zäune aufbauen. Doch man darf nicht alle Ängste vor Zuwanderung verallgemeinern. Niemand kann im Moment abschätzen, wieviele noch zu uns kommen werden. Und ganz ohne sichere Grenzen, kann es auch kein funktionierendes Europa geben!“ Auch Zukunftsängste kamen zur Sprache, die u.a. durch ein übergroßes, unüberschaubares Ausbildungs- und Studienangebot entstünden: „Es wäre schön, etwas Sicheres zu studieren“, lautete ein Ruf. „Aber was? Ich fühle mich überfordert und nicht ausreichend vorbereitet auf das große Berufsangebot!“

Torsten Albig hörte aufmerksam zu, kommentierte die Forderungen mit bemerkenswerter Offenheit, äußerte sich mal verständnisvoll, mal kritisch und hinterließ einen ehrlich interessierten Eindruck bei den Anwesenden. Interessant allein sein Eingangsstatement: „Es ist die vierte Schule, die ich heute besuche. Warum mache ich das? Weil wir große Veränderungen organisieren müssen, und mich die Meinung derer interessiert, die am längsten von unseren Entscheidungen betroffen sein werden. Das seid ihr und die nachfolgenden Generationen.“ Insgesamt legte der Landeschef Wert darauf, sich auch der Fortschritte und Erfolge seit der Landesgründung vor siebzig Jahren bewusst zu sein. Eine zentrale Botschaft an die junge Generation: „Wir waren noch nie so klug, zivilisiert und wohlhabend, wie heute. Wer, wenn nicht wir, sollte zukünftige Herausforderungen meistern?“

Stolz auf seine Schüler … Schulleiter Jørgen Kühl

Stolz auf seine Schüler … Schulleiter Jørgen Kühl

Schulleiter Jørgen Kühl äußerte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „In solchen Begegnungen zeigt sich gute politische Bildungsarbeit! Ich bin auch ein bisschen stolz auf meine Schüler, dass sie auf einem guten sprachlichen Niveau mit dem Ministerpräsidenten diskutiert haben. Normalerweise wird bei uns ja nur Dänisch gesprochen, außer im Deutschunterricht.“

Zwei Stunden lebhafter Gedankenaustausch in Schleswig. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 diskutierten niveauvoll mit dem Ministerpräsidenten, dessen erklärtes Ziel es war, aus der A.P. Møller Skolen klüger rauszukommen, als er reingekommen war. Ziel erfüllt … für den Moment. Die Politik ist gut beraten, sich dauerhaft mit den Zukunftsgedanken der jungen Generation vertraut zu machen. By the way … am 07. Mai 2017 findet die nächste Landtagswahl in Schleswig-Holstein statt. Wahlberechtigt werden alle Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren sein!

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Alina
„Unsere Schule ist modern und hat eine tolle Lage an der Schlei. Sie bietet alle Voraussetzungen für gutes Lernen. Und anschließend habe ich viele Möglichkeiten, denn ich kann sowohl in Deutschland als auch in Dänemark studieren. Ich habe deshalb keine Angst vor der Zukunft. Momentan versuche ich herauszufinden, welche berufliche Richtung zu mir passt. Ich interessiere mich besonders für Ingenieursberufe und -studiengänge oder für ein duales Studium zur Immobilienkauffrau.“

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Jannis
„Ich habe weniger Angst vor Zuwanderung, sondern mache mir eher Sorgen über meine berufliche Zukunft. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten, von denen ich noch gar nichts weiß. Nach der Schulzeit möchte ich zwar schon gern studieren, doch wo und was, ist noch völlig offen. Wenn ich nach Dänemark gehe, erhalte ich ausreichende finanzielle Unterstützung vom dänischen Staat. Das würde ich mir auch in Deutschland wünschen.“

TEXT Christian Dorbandt
FOTOS Sebastian Weimar