Mit dem Bürgermeister auf ´nen Schokofisch

Mit dem Bürgermeister auf ´nen Schokofisch

Heiko Traulsen im Interview

Der Bürgermeister von Kappeln geht täglich auf die Reeperbahn. Logisch! Im Kappelner Rathaus, in der Reeperbahn Nr. 2 hat Heiko Traulsen (58) sein Büro. Im September 2015 wählten ihn die Einwohner der Schleistadt übrigens zum zweiten Mal mit überragender Mehrheit zu ihrem Vorsteher. Er ist ein „Hiergebliebener“. In Kappeln geboren, zur Schule gegangen und 32 Jahre Polizeidienst verrichtet … den Straßentest besteht er problemlos. Beim Spaziergang durch die Stadt wird er an jeder Ecke erkannt und gegrüßt.

Herr Bürgermeister, erste Frage: Fisch oder Schokolade?
Klare Entscheidung: Beides! Wir haben in Kappeln nicht nur die besten Fischbrötchen, sondern auch eine leckere Schokoladenküche. Wie man unschwer erkennen kann, bin ich auch ein Schokoladenfan.

Sind Sie ein glücklicher Bürgermeister?
Ja, das bin ich auf jeden Fall! Kappeln steht gut da, die Wählerinnen und Wähler bringen mir großes Vertrauen entgegen und ich mache den Job als Bürgermeister wirklich gern.

Welche Schul- und Berufsausbildung haben Sie genossen?
Ich habe die Grund- und Hauptschule sowie die Realschule in Kappeln besucht. Nach der Mittleren Reife habe ich zwei Jahre bei einem Kaufmann gejobbt, um Geld zu verdienen. Das war aber auf Dauer nichts für mich. Schließlich bin ich in den Polizeidienst eingetreten, habe meine Fachhochschulreife nachgeholt und später an der Verwaltungsfachhochschule Altenholz ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt absolviert.

War „Bürgermeister“ schon immer Ihr Traumberuf?
Einen richtigen Traumberuf hatte ich nicht. In meiner Verwandtschaft gab es einen Polizisten. Was er von seinem Dienst erzählte, klang interessant. Da habe ich mir gedacht: Als Kappelner Dorfsheriff zu arbeiten … das ist gar nicht so schlecht. Deshalb bin ich zur Landespolizei gegangen und habe dort insgesamt 32 Dienstjahre als Uniformträger verrichtet.

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf?
Das Amt des Bürgermeisters ist vielseitig, abwechslungsreich und kreativ. Jeden Tag die gleiche Arbeit … das liegt mir nicht. Außerdem bedeutet das Amt eine hohe Arbeitsbelastung…

…und das finden Sie schön?
Ja, das brauche ich. Meine Woche hat selten weniger als 60 Arbeitsstunden. Doch ich fühle mich frei und kann einen Großteil meiner Arbeitszeit selbst organisieren. Mein Job erfüllt mich.

Welche drei Attribute beschreiben Kappeln am besten?
Moderne und innovative Unternehmen, wichtiger Gesundheitsstandort, inhabergeführte Geschäftswelt.

Jetzt dürfen Sie drei Sätze über Kappeln bilden.
Kappeln ist eine wunderschöne Kleinstadt im Kreis Schleswig-Flensburg mit rund 9.000 Einwohnern. Durch die einzigartige Lage an der Schlei und in unmittelbarer Nähe zur Ostsee sind wir ein regionaler Standort für Fischerei und maritime Wirtschaft. Für viele Tausende Touristen ist Kappeln jedes Jahr ein beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel.

Gibt es genügend Ausbildungsplätze?
Ja, es gibt in der Region ein breites Angebot, doch ich bin ganz ehrlich: Ich würde mir noch mehr wünschen! Größter Arbeitgeber Kappelns sind die Kappelner Werkstätten mit einem hohen Personalbedarf in den pädagogischen und erzieherischen Berufen. Es gibt zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze im Bereich Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe, Einzelhandel und Handwerk. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das Firmenbündnis „Schleiboot“. Das ist ein Zusammenschluss von 23 lokalen Betrieben aus dem Bereich Yacht- und Bootsbau, die allesamt ausbilden!

Was bietet Kappeln jungen Menschen, damit Sie hierbleiben?
Unser Freizeitangebot ist vielschichtig. Größter Verein ist der TSV Kappeln mit rund 1.500 Mitgliedern, der eine hohe Bandbreite an Sportarten abdeckt. Darüber hinaus haben wir ein Kino, ein Dart-Zentrum, eine große Tartananlage, ein Jugendzentrum und durch die Wasserlage gibt es jede Menge Freizeitmöglichkeit an Stränden und auf dem Wasser!

Was sind Pläne und Perspektiven?
Wir verfolgen mehrere Bauprojekte zur Wohnflächenentwicklung und einem kreisübergreifenden interkommunalen Gewerbegebiet. Das bedeutendste regionale Projekt ist das „Ostseeressort Olpenitz“. Auf dem 174 Hektar großen Sondergebiet des ehemaligen Marinestützpunktes Olpenitz entsteht Nordeuropas größtes Ressort für Ferienimmobilien. Wir werden auch weitere attraktive Räume für junge Leute schaffen. Da sind wir mit den Jugendausschüssen im ständigen Austausch.

An welche Orte führen Sie Ihre persönlichen Gäste?
Auf Amanda, die höchste Mühle Schleswig- Holsteins, in die Nikolaikirche mit ihrem prächtigen Altar und natürlich zum Hafen, dem Herz unserer Stadt!

Wo können Sie am besten abschalten?
Auf meinem Fahrrad am Ostseeküstenradweg und an der Schlei.

Jetzt haben Sie noch einen Wunsch frei.
Okay, dann wünsche ich mir eine stetige Steigerung unserer Wirtschaftskraft, sodass wir, neben den vielen Menschen aus Berlin, Hamburg und Bremen, die zu uns kommen, um hier ihren Lebensabend verbringen, auch immer mehr junge Menschen zum Hierbleiben und Hierherkommen bewegen.

Herr Bürgermeister, der Schokofisch war lecker! Vielen Dank für das Gespräch.

TEXT Christian Dorbandt
FOTO Sebastian Weimar

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