Mit dem Bürgermeister auf ´ne Pommes

Mit dem Bürgermeister auf ´ne Pommes

„Ich glaube, man kann nur Bürgermeister sein, wenn man seine Stadt und ihre Menschen mag und versteht.“ Wenn Bürgermeister Ulf Stecher (48) das sagt, wirkt das glaubhaft. Das nimmt man ihm ab. Ein Dithmarscher Jung ist er, geboren in Heide und nun schon seit 12 Jahren im Amt. Bei den Bürgerinnen und Bürgern kommt er offenbar gut an, denn sie haben ihn 2010 für acht weitere Jahre gewählt. „Wir haben einen guten Chef“, wird uns im Rathaus zugeflüstert. Für ME2BE und das Thema Ausbildung haben wir beim Bürgermeister schnell einen Termin bekommen … im Marktpirat, direkt am Heider Marktplatz.

Herr Bürgermeister, essen Sie auch privat mal ´ne Pommes?
Na klar. Als Vater von fünfjährigen Zwillingen kenne ich Pommes ziemlich gut! Hier gibt es übrigens leckere Süßkartoffel-Pommes. Ich darf gleich mal bestellen: Eine große Pommes-Platte mit süßen und normalen Pommes, bitte. Dazu Barbecuesoße, Mayonnaise, scharfe Chilisoße und Ketchup … Köstlich! Müssen Sie probieren.

Sie lenken schon seit 12 Jahren die Stadtgeschäfte. Was ist das Schöne an Ihrem Amt?
Das Schöne an meinem Amt ist die Abwechslung. Kein Tag gleicht dem anderen. Neben schwierigen Entscheidungen und teilweise anstrengenden Terminen kann es auch mal vorkommen, dass man dienstlich Pommes essen muss!

Mit welchen drei Wörtern würden Sie Heide beschreiben?
Bodenständig. Bunt. Lebenswert.

Was ist das Besondere an dieser Stadt?
Heide ist eine Mittelstadt mit großer Ausstrahlung und das Nahversorgungszentrum für ca. 100.000 Menschen in der Region. Wir haben eine ganz starke Infrastruktur, vor allem in den Bereichen Gesundheit, Einzelhandel und Bildung. Heide ist eine Stadt mit Vollversorgung. Das ist es, was uns stark macht.

Wie steht Heide auf dem Arbeitsmarkt da?
Gibts genügend Arbeitsplätze?
Absolut. Das Westküstenklinikum ist mit rund 2.300 Beschäftigten der mit Abstand größte Arbeitgeber in Heide. Mit der Firma Vishay haben wir einen starken Arbeitgeber im Bereich Elektronik-Bauteile, auch die Maschinenfabrik Köster und die Raffinerie Heide in Hemmingstedt sind zu nennen. Heide ist eine Einkaufsstadt, deshalb bietet der Einzelhandel viele Arbeits- und Ausbildungsplätze. Außerdem ist Heide ein Medienstandort. Neben der Dithmarscher Landeszeitung und dem NDR sind auch mehrere Werbeagenturen vertreten. Der Kreis Dithmarschen und die Stadt Heide sind die größten öffentlichen Arbeitgeber. Und es gibt viele Klein- und Mittelständische Unternehmen im Handwerk, besonders in der Bauwirtschaft. Insgesamt aber würde ich sagen: Heide ist ein Dienstleistungszentrum.

Was hat Heide jungen Leuten zu bieten, die hier studieren oder ihre Ausbildung beginnen?
Die jungen Leute profitieren von unserer starken Infrastruktur. Im Freizeitbereich gibt es hier alles außer Bergsteigen! Es gibt ganz viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten, unsere Volkshochschule und weitere Einrichtungen. Und noch etwas hat Heide jungen Leuten zu bieten, nämlich … viele junge Leute: Schüler und Angestellte vom Westküstenklinikum, die vielen Studierenden und auch die jungen Soldaten von der Bundeswehr ergeben eine große Konzentration jüngerer Menschen in unserer Stadt.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Lieblingsfächer in der Schule?
Ja, Wirtschaft, Politik, Deutsch. In Mathe war ich auch gut. Nur in Sport war ich während der Schulzeit eine ziemliche Niete. Das hat sich erst als Erwachsener deutlich verbessert.

Was sind Ihre Pläne und Zukunftsprojekte für Heide?
Spannend ist der Umbruch, in dem sich zurzeit die Innenstadt befindet. Wir wollen hier in eine neue Zukunft aufbrechen! Die Westseite des Marktplatzes wird sich radikal verändern. Hier entsteht ein neues Einkaufszentrum mit 8.000 Quadratmetern Fläche. Wir sind auch dabei, ein neues Bahnhofsumfeld zu planen. Wir möchten den öffentlichen Raum in der Innenstadt attraktiver und erlebbarer gestalten. Unsere lokale Wirtschaft steht zunehmend im Wettbewerb mit dem Internet. Wenn wir möchten, dass die Menschen weniger im Internet bestellen und mehr in den Geschäften kaufen sollen, dann müssen wir ihnen in der Stadt einen Mehrwert bieten. Wir sagen: „Die Magie der Stadt muss stärker ausgeprägt werden.“ Und dafür haben wir beispielsweise einen wunderschönen Weihnachtsmarkt und auch jeden Samstag – bei Wind und Wetter – den größten Wochenmarkt der Westküste. Jeden Samstag steppt hier echt der Bär.

Auf welche Highlights dürfen sich die Heider Bürger 2015 noch freuen?
Da kommt noch Einiges auf uns zu. Wie jedes Jahr wird die schleswig-holsteinische Jahrmarktsaison in Heide eröffnet. Im Mai feiern wir ein großes Kinderfest. Zirkus Krone gastiert hier im Sommer und errichtet ein Zirkusdorf. Und natürlich haben wir wieder die Dithmarscher Kohltage Ende September. Ein spezieller Höhepunkt, auf den wir uns alle freuen, wird sicherlich das Konzert von Herbert Grönemeyer am 10. Juni. Dann werden bis zu 18.000 Menschen auf unserem Marktplatz ein Open-Air-Konzert erleben. So etwas hat es hier bisher in dieser Größenordnung noch nicht gegeben.

Außer Pommes … was essen Sie eigentlich sonst noch gern, Herr Stecher?
Ich esse gern einen schönen Hasenbraten und auch unser Nationalgericht, Dithmarscher Mehlbeutel. Die Mehlspeise mit Kirschsoße, in Kombination mit Schweinebacke … großartig.

Und wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Meine Freizeit verbringe ich gern mit meiner Familie. Entspannen kann ich auch gut bei der Beschäftigung mit meinem Oldtimer. Ich besitze einen grassgrün-metallic-farbenen Opel Commodore, Baujahr 1976, mit schwarzem Vinyldach und beigefarbenen Velours-Sitzen.

Herr Bürgermeister, die Pommes waren lecker. Vielen Dank für das Gespräch.

TEXT  Christian Dorbandt
FOTO Sebastian Weimar