Duale Ausbildung – Was ist das eigentlich genau?

Duale Ausbildung – Was ist das eigentlich genau?

Was bedeutet eigentlich duale Ausbildung? Welche Bereiche kommen da zusammen? Wo findet die Ausbildung statt und wie läuft das mit der Prüfung? Viele Fragen, aber es ist schließlich auch ein wichtiger neuer Lebensabschnitt für Schulabgänger. Wir erklären mal, wie eine Handwerksausbildung abläuft.

In Deutschland wird die Lehre in den klassischen Handwerksberufen in einem dualen Ausbildungssystem durchgeführt (Lateinisch: dualis = zwei). Die Berufsausbildung findet in zwei Bereichen statt: die praktische Ausbildung im Betrieb und die theoretische Ausbildung in der Berufsschule.

CMYK_IMG_1069-KopiePraktische Ausbildung im Betrieb

Der Betrieb, in dem du deinen Lehrvertrag unterschrieben hast, übernimmt die praktische Lehre. Dies wird auch als betriebliche Ausbildung bezeichnet. Hier lernst du hautnah die Arbeit deines Berufes kennen, und oft geht es schon gleich mit raus zur Baustelle. Du bist schnell in die festen Arbeitsabläufe eingebunden. Durch den Ausbilder in der Firma wirst du angeleitet und erlernst die Grundlagen und praktischen Fertigkeiten. Die Ausbildungszeit im Betrieb findet an drei bis vier Tagen in der Woche statt.

In jedem Betrieb ist die Ausbildung anders organisiert. Da jede Firma eigene Schwerpunkte setzt, spezielle Aufträge bearbeitet oder sich auf einen Fachbereich spezialisiert hat, werden die Auszubildenden jeweils unterschiedliche Details ihres Berufes kennenlernen. Es gibt kleine Betriebe CMYK_IMG_7364-Kopiemit nur wenigen Mitarbeitern und Großunternehmen mit vielen hundert Beschäftigten. Und dennoch sollen die Lehrlinge am Ende ihrer Ausbildungszeit alle ein vergleichbares Können und Wissen haben. Auch deshalb gibt es noch den schulischen Ausbildungsteil.

Praktische Ausbildung „überbetrieblich“

Kann ein Betrieb spezielle Ausbildungsrichtlinien der Handwerkskammern nicht selbst erfüllen, z.B. weil bestimmte Maschinen fehlen oder Zeit- und Personalmangel herrschen, werden dessen Azubis in einer überbetrieblichen Ausbildung geschult. Diese Unterrichtseinheiten werden oft von Werkstätten der Kreishandwerkerschaften übernommen. Vorteil: Der praktische Teil wird dort unter Anleitung erfahrener Handwerksmeister durchgeführt. Die Ausbilder können sich hier voll und ganz auf die Azubis konzentrieren. Die Werkstätten sind gut ausgestattet. Und es entsteht eine andere Atmosphäre als in klassischen Lehrbetrieben, da hier viele Azubis aus unterschiedlichen Betrieben sich treffen und austauschen können.

Theorie und Fachwissen in der Berufsschule

An ein bis zwei Tagen pro Woche wirst du die Berufsschule besuchen. Du erlernst dort im schulischen Teil deiner Ausbildung theoretische Grundlagen. Abhängig von der Berufsschule und dem Ausbildungsberuf kann der Unterricht auch alle vier bis fünf Wochen in einem Block stattfinden. Lehrlinge aus verschiedenen Betrieben werden hier gemeinsam unterrichtet. Es gibt sowohl fachspezifischen Unterricht, der auf deinen Ausbildungsberuf zugeschnitten ist, als auch klassische Schulfächer wie Deutsch oder Mathematik. Theoretische Grundlagen in diesen Fächern wirst du später ständig im Berufsalltag brauchen.

Mit dem Wissen aus schulischer und betrieblicher Ausbildung verfügst du am Ende der 3–4-jährigen Lehrzeit über das Wissen, um in deinem Beruf arbeiten zu können.

Eine handwerkliche Ausbildung

Zwischenprüfung und Gesellenprüfung

Zur Hälfte der Ausbildungszeit müssen alle Azubis eine Zwischenprüfung ablegen. Dabei wird ihr Wissen und Können ermittelt. Es wird festgestellt, ob sie für den zweiten Ausbildungsteil genügend Grundlagen aufgebaut haben. Am Ende der Ausbildung wird dann die Gesellenprüfung abgelegt. Diese besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Sie wird von einem Prüfungsausschuss durchgeführt, der von den Handwerkskammern einberufen wird. Die Auszubildenden müssen beweisen, dass sie in den zurückliegenden Jahren ihren Beruf umfassend erlernt haben.

Nach bestandener Prüfung ist die Ausbildung abgeschlossen. Die Auszubildenden erhalten auf einer feierlichen Veranstaltung, der sogenannten Freisprechung, ihr Gesellenprüfungszeugnis oder ihren Gesellenbrief. Sie sind nun Gesellen und Gesellinnen ihres Handwerks und dürfen von nun an als angestellte Handwerksgesellen arbeiten. Und sie haben eine wichtige Voraussetzung für viele Weiterbildungsmöglichkeiten erlangt.

TEXT & FOTO Christian Dorbandt