Hinter den Kulissen bei der Stadtverwaltung Elmshorn

Hinter den Kulissen bei der Stadtverwaltung Elmshorn

Wer mit wachen Augen durch Elmshorn wandert, der kennt es: das Rathaus. In der Schulstraße 15–17, unweit der beliebten Einkaufsmeile, steht der Verwaltungssitz der sechstgrößten Stadt Schleswig-Holsteins. Aber was geschieht eigentlich in einem Rathaus? Die Aufgaben einer Stadtverwaltung bleiben Schülerinnen und Schülern meist verschlossen. Dabei betrifft die Arbeit der Staatsbediensteten alle Bürgerinnen und Bürger Elmshorns. Hier ist nicht nur der Arbeitsplatz des Bürgermeisters, seit dem 1. Januar 2014 hat Volker Hatje das Amt inne, sondern auch von 420 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nicht weniger tun, als Elmshorn am Laufen zu halten. Zwei von ihnen sind Tasja Schönfeld und Franziska Kaufmann. Sie gewähren uns einen exklusiven Blick hinter die Kulissen und beweisen ganz beiläufig, wie vielfältig die Arbeit bei der Stadtverwaltung ist.    

Unser Rundgang beginnt im Büro von Stefan Labusch. Der Ausbildungsleiter ist der erste Kontakt für angehende Auszubildende. Jede Bewerbung, ob zum/zur Verwaltungsfachangestellten, Bauzeichner/-in oder für das duale Studium Public Administration, geht über seinen Tisch. Tasja Schönfeld erinnert sich noch genau an ihr Bewerbungsgespräch: „Eigentlich habe ich Angst vor solchen Gesprächen, aber hier habe ich mich sofort wohlgefühlt. Nach etwa drei Minuten war meine Anspannung verflogen und wir haben uns richtig gut unterhalten.“ Die 26-Jährige hat im Februar ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten abgeschlossen und wurde gleich übernommen: „Im Moment arbeite ich in der Stadtkasse“, erzählt Tasja. Vor der Ausbildung in der Verwaltung hat sie bereits eine Lehre zur Zahntechnikerin absolviert und drei Jahre in diesem Beruf gearbeitet: „Die Rahmenbedingungen in meinem ersten Beruf waren wirklich schlecht und die Profitorientiertheit in der freien Wirtschaft hat mir auch nicht gefallen. Deswegen wollte ich mich umorientieren. Meine Schwester machte zu der Zeit ein duales Studium hier in der Verwaltung. Von ihr habe ich stets nur Gutes über die Arbeit gehört und mich schließlich auch beworben. Ich dachte immer, Büroarbeit sei nichts für mich und dass der Beruf der Verwaltungsfachangestellten sehr trocken und langweilig sei. Das Gegenteil ist aber der Fall. Von Amt zu Amt gibt es unterschiedliche Aufgabenbereiche mit verschiedenen Herausforderungen. Wir haben stets mit Menschen zu tun, denen wir mit unserer Arbeit helfen. Das macht unsere Arbeit aus. Ich habe meine Entscheidung, mich hier zu bewerben, noch keinen Tag bereut.“

„Wir versuchen, die Ausbildung und das duale Studium so praxisnah wie möglich zu gestalten.“

DSC_5344Auch Franziska Kaufmann war es wichtig, einen Beruf zu ergreifen, der dem Allgemeinwohl dient: „Ich wollte keine Arbeit haben, die ausschließlich auf die Gewinnmaximierung eines Unternehmens zielt, sondern lieber etwas lernen, was mehreren Menschen zugutekommt.“ Bei einem freiwilligen Schulpraktikum lernte die heute 22-Jährige die Verwaltung kennen und bewarb sich nach dem Abitur für das duale Studium Public Administration. Das erste Jahr des zweijährigen Studiums verbrachte die junge Beamtin auf Widerruf an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz. „Das Studium ist sehr breit angelegt. Rechtswissenschaften bilden den größten Anteil der Studieninhalte, die durch BWL, VWL und Sozialwissenschaften ergänzt werden. Nach dem einjährigen Grundstudium wechseln sich Theoriephasen an der Fachhochschule mit Praxisphasen in der Verwaltung ab. Für jedes Theorietrimester können Wahlmodule aus verschiedenen Disziplinen ausgesucht werden. Ich habe meinen Schwerpunkt im rechtlichen Bereich gelegt und meine Wahlpflichtmodule dementsprechend gewählt. Im ersten Modul hatte ich Bau- und Umweltrecht, im zweiten Ordnungs- und Gefahrenabwehrrecht, für das letzte Modul habe ich mich für Sozialrecht entschieden“, berichtet Franziska. Im Sommer wird sie das duale Studium abschließen und im Rathaus ihren Berufsweg beginnen. Das Studium ermöglicht ihr eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten in der Verwaltung.

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Ausbildungsleiter Stefan Labusch mit der dualen Studentin Franziska Kaufmann.

„Wir versuchen, die Ausbildung und das duale Studium so praxisnah wie möglich zu gestalten. Die Auszubildenden wechseln alle zwei Monate die Abteilung, die Studenten alle vier Monate“, erzählt Stephan Labusch, „so können sie praktisch überall eingesetzt werden.“ Übrigens wird die Ausbildung auch in Teilzeit angeboten. Diese Qualifizierungsmaßnahme ermöglicht jungen Müttern den Wiedereintritt ins Berufsleben.

DSC_5217Das „Weiße Haus“
Vom Personalamt geht unsere Tour weiter zum sogenannten „Weißen Haus“. Dafür verlassen wir das Rathaus und begeben uns auf die andere Straßenseite. 1894 wurde die prachtvolle Villa für den Arzt Dr. Newton Arfsten erbaut. Heute sitzt hier das Standesamt. „In dem denkmalgeschützten Gebäude werden auch die neuen Auszubildenden empfangen“, erzählt Tasja, die durch ihre freiwillige Tätigkeit als Jugend- und Ausbildungsvertreterin Teil des Empfangskomitees für die angehenden Staatsbediensteten ist. Die Jugend- und Ausbildungsvertretung begleitet die Auszubildenden in ihrer ersten Woche durch alle Abteilungen der Stadtverwaltung. „So lernen sie gleich alle Ämter und Abteilungen kennen und, was ebenso wichtig ist, ihre Kollegen und Kolleginnen“, sagt Tasja. Für einen regen Austausch unter den Azubis und dualen Studenten werden regelmäßige Treffen veranstaltet, ebenso steht jeden Sommer ein Ausflug an.

Das Kutscherhaus
Gleich hinter dem „Weißen Haus“ befindet sich das Kutscherhaus. Hier sitzt die Projektkoordination für das neue Rathaus. Es soll den 60er-Jahre-Bau in naher Zukunft ersetzten und mehr Platz für die Mitarbeiterinnen und Vorlag_Rathausstandort_Suchfeld 3Mitarbeiter der Stadtverwaltung schaffen. Der Neubau soll im Gebiet um den Buttermarkt entstehen. Das steht fest. Wie aus aussehen wird, wer als Architekt dafür infrage kommt und welche konkreten Vorgaben der Bau erfüllen muss, wird in der Projektgruppe erarbeitet. Das Elmshorner Rathaus ist nur einer von mehreren Standorten der Elmshorner Verwaltung. Der Rest verteilt sich auf das „Weiße Haus“, das Kutscherhaus, die Volkshochschule, den Betriebshof und die Stadtentwässerung.

DSC_5267Das Ordnungsamt
Zurück im Rathaus besuchen wir als Nächstes das Ordnungsamt. Es gehört zu den Lieblingsämtern vieler Auszubildender. Sie kümmern sich zum Beispiel um die Sterbefälle, stellen Parkausweise aus oder überprüfen, ob die zahlreichen Baustellen in Elmshorn alle Sicherheitsvorgaben erfüllen. „Besonders spannend ist es, wenn Angehörige kürzlich Verstorbener ermittelt werden müssen“, berichtet Tasja. „Manche sind beispielsweise im Ausland und daher schwer zu finden, da wird die Suche nach ihnen zu spannender Detektivarbeit“, ergänzt Franziska.

Das Einwohnermeldeamt
Auf der anderen Seite des Flures befindet sich das Einwohnermeldeamt. Wir dürfen Ines Bringmeier kurz bei der Arbeit stören und DSC_5281fragen, was an dieser Stelle passiert? „Wer seinen Personalausweis beantragen oder verlängern möchte, der ist im Einwohnermeldeamt an der richtigen Adresse. Wer seinen Wohnsitz an- oder ummelden möchte, kommt auch zu uns“, erzählt Ines Bringmeier, die auch hier im Rathaus ihre Ausbildung gemacht hat. „Im Einwohnermeldeamt gefällt mir der direkte Bürgerkontakt. Jeden Tag erlebt man was anderes.“

DSC_5297Das Gebäudemanagement
Das Gebäudemanagement ist für die städtischen Gebäude einschließlich der Außenanlagen zuständig. Hier hat Franziska während einer ihrer Praxisphasen ihrer Ausbilderin Frau Premse zugearbeitet. „Die Bereitstellung öffentlicher Gebäude, zum Beispiel von Schulen, ist die Hauptaufgabe dieses Amtes. Sie werden nutzungsfertig zur Verfügung gestellt, mit Hausmeisterservice und Winterdienst. Eine Aufgabe, die Auszubildende und duale Studenten hier übernehmen, ist unter anderem die Rechnungsprüfung externer Dienstleister. Wir schauen, ob alle Posten der Rechnung auch tatsächlich umgesetzt worden sind“, erzählt Franziska. Frau Premse arbeitet seit zehn Jahren im Gebäudemanagement. „Durch die Betreuung der Schulen gehört auch der Außendienst mit zu diesem Amt. Das macht die Arbeit hier sehr abwechslungsreich“, erzählt sie uns. Unser Ausflug im Elmshorner Rathaus geht zu Ende. Die Arbeit einer Stadtverwaltung ist so vielfältig, dass wir euch nicht alle Ämter der Stadt vorstellen können. Begeistert von den zahlreichen Eindrücken und den Menschen, die wir auf unserer kleinen Rundreise im Rathaus kennengelernt haben, sind wir um zwei Erkenntnisse reicher. Erstens: Im Rathaus DSC_5373passiert viel mehr, als es von außen den Anschein macht. Ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier würde Elmshorn stillstehen. Und zweitens: Die Stadt ist ein richtig toller Arbeitgeber mit einer Fülle von Ausbildungsmöglichkeiten für jeden, der mit seiner Arbeit ein Stück weit für eine bessere Stadt sorgen möchte.

Wer sich genauer informieren möchte, findet alle wichtigen Informationen unter www.elmshorn.de oder in der Schulstraße 15–17. Schaut vorbei und macht euch euer eigenes Bild.

TEXT Katharina Grzeca
FOTOS Sebastian Weimar 

Kontakt
Stadt Elmshorn
Der Bürgermeister
Schulstraße 15-17
25335 Elmshorn
Tel: 04121 – 2310
E-Mail: info@elmshorn.de
www.elmshorn.de