Treia

Wer mit 90 Leuten kämpft, kann am Ende auch gewinnen

Demographischer Wandel und Landflucht. Viele Gemeinden leiden darunter. Zuerst geht der Kaufmann, dann die Ärzte, gefolgt von der Apotheke. Die Nahversorgung bricht zusammen, der Ort wird unattraktiv. Es gibt nicht genug Kinder, die Schule schließt. Die jungen Leute sind gezwungen wegzuziehen und die Senioren, die sich bisher noch allein versorgen konnten, verlieren eine große Portion Lebensqualität, weil sie nun für ihre Besorgungen auf Hilfe angewiesen sind. Aber muss es so kommen? Vor dieser Frage standen vor acht Jahren auch die Einwohner von Treia, einer 1500 Seelen-

Gemeinde zwischen Husum und Schleswig.

Als der örtliche Lebensmittelmarkt vor dem Aus stand, setzten sich Andrea und Sönke Schlüter gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Benno Vogt, vom benachbarten Küchenstudio, zusammen und suchten nach einer Lösung. Würde es in Treia keinen Nahversorger mehr geben, hätte das auch massiven Einfluss auf ihre Geschäfte, die Apotheke und das Küchenstudio im Ort: „Wir Geschäftsleute hatten alle große Sorge und uns war klar, dass wir selbst dafür sorgen mussten, dass etwas passiert“, erinnert sich Sönke Schlüter.

Was also tun? Die Lösung war ebenso mutig, wie genial: Gemeinsam mit 90 Treianern gründeten die drei Initiatoren eine Bürgerinitiative, später eine GmbH & Co. KG. Sie riskierten gemeinsam ihr Eigenkapital in Höhe von 260 000 Euro und nahmen zusätzlich noch ein Darlehen auf. Von diesem Geld kaufte und renoviert die Bürgerinitiative den vorhandenen Kaufmannsladen und baute ihn noch auf 500m² aus. Das alles war nicht ohne Schwierigkeiten seitens der Baubehörden von statten gegangen. Doch die Bürger gaben nicht auf und schafften es schließlich, mit viel Einsatz und großem Durchhaltevermögen, ihre Idee zu verwirklichen. Heute ist das Darlehen abbezahlt und erste Gewinne können an die Investoren ausgeschüttet werden. Die Nahversorgung ist geregelt und das trägt maßgeblich zur hohen Lebensqualität bei. Der Fall Treia zeigt eines ganz deutlich: Man muss etwas tun für sein Dorf, sich engagieren und gemeinsam durchhalten.

TEXT & FOTO Claudia Kleimann-Balke