Björn Nagel: Springreiter und Pferdezüchter

Björn Nagel: Springreiter und Pferdezüchter

Ein doppelter Oxer … überspringt Nerrado dieses letzte Hindernis, wird er den Großen Preis gewinnen! So, oder so ähnlich hört es sich an, wenn über Springreiter Björn Nagel (38) berichtet wird, dem gebürtigen Brunsbütteler und waschechten Dithmarscher Jung. Die Liste seiner sportlichen Erfolge ist lang: Zweifacher Junioren-Europameister, zweimaliger Olympiateilnehmer (Hongkong 2008 und London 2012), zweimaliger Teilnehmer der Weltreiterspiele (2006 Aachen und 2010 Lexington, USA), Weltcupteilnehmer und mehrfacher Turniersieger. Die Familie Nagel ist eine der bekanntesten deutschen Springreiterfamilien. Auch Vater Tjark und dessen Cousin Carsten-Otto Nagel sind berühmte Reitsportler. Ihre Heimat: Der Pferdezuchtbetrieb „Stall Nagel“ in Friedrichskoog. Wir haben ihn gefragt, wer sich zum Reitsportler eignet und ob er mit seinen Pferden sprechen kann.

Moin Björn, du lebst momentan in Passau. Fühlst du dich wohl in Bayern oder vermisst du die Heimat?
Ja, ich fühle mich sehr wohl hier. Meine Frau kommt aus Bayern und wir haben hier einen weiteren Stall, von dem wir die Turniere in Österreich, Italien und Ungarn schnell erreichen können. Aber ich bin auch alle zwei bis drei Wochen für ein paar Tage in Friedrichskoog. Das wird immer meine Heimat bleiben.

In Brunsbüttel geboren. In Friedrichskoog aufgewachsen. In Marne und Heide zur Schule gegangen. Wolltest du schon immer mit Pferden arbeiten?
Ja. Schon als Baby setzte mich mein Vater auf ein Pferd, so, wie ich das jetzt mit meiner Tochter tue. Für mich stand immer fest, dass ich im familiären Betrieb und mit Pferden arbeiten werde. Nach dem Fach-Abi habe ich dann zunächst eine Zeit lang für andere Ställe gearbeitet, z.B. für Paul Schockemöhle in Mühlen, um Erfahrungen zu sammeln. 2006 habe ich den Betrieb meines Vaters übernommen.

Was für Aufgaben hat ein Bereiter bzw. Pferdewirt?
Jeder Morgen beginnt mit Stallarbeit. Täglich werden Boxen gereinigt und die Pferde verpflegt, beritten, gewaschen, gestriegelt und eingedeckt. Auf dem Hof Schockemöhle waren damals täglich 14-15 Pferde zu bereiten. Am Wochenende fährt man dann auf Turniere und kümmert sich dort um die Pferde.

Was würdest du jungen Leuten raten, die von einer Reitsportkarriere träumen?
Auf jeden Fall vor der Ausbildung ein längeres Praktikum auf einem Pferdehof machen! Viele stellen sich unter dem Beruf die heile Welt eines Ponyhofs vor. Doch es ist ein härteres Berufsleben, als manch anderes. Egal, ob Mädchen oder Junge … man sollte auf jeden Fall robust und belastbar sein. Wochenendarbeit ist die Regel. Pferde kann man nicht Freitagabend abstellen und Montagmorgen wieder anstellen!

Unterhältst du dich mit deinen Pferden?
Ja, natürlich. Und wir verstehen uns auch gegenseitig. Man merkt auf beiden Seiten schnell, ob jemand gut drauf ist, oder nicht.

Reitest du momentan viele Turniere?
Ja, momentan haben wir wieder einige Weltcup-platzierte Pferde im Stall. Vor allem unsere beiden neunjährigen Holsteiner Nerrado und Cormina haben vielversprechendes Talent.

Was ist das Schöne an deinem Beruf?
Die Vielseitigkeit der Aufgaben und die Arbeit mit Pferden. Die verhalten sich oft, wie kleine Kinder und lassen sich jeden Tag was Neues einfallen.

Was ist das Schöne an der Heimat?
Friedrichskoog, unser Hof, die Nordsee, Fischbrötchen und Bratkartoffeln mit Ei und Krabben. Man kennt auch so viele Leute in der Region und auch die Schicksale der benachbarten Höfe. Heimat ist sehr persönlich und ruhig, nicht so hektisch und anonym, wie andere Orte. Und natürlich der Wind. Was für die Bayern ein starker Wind ist, empfinde ich meistens als milde Brise!

TEXT Christian Dorbandt
FOTO Björn Nagel