Ach, Festivals sind wundervoll!

Ach, Festivals sind wundervoll!

Es ist überfüllt, viel zu laut und erst recht viel zu dreckig. Man trinkt zu viel, ernährt sich schlecht, schläft zu wenig und es riecht streng. Wacken ist seit einem Monat vorbei und ihr wollt wissen, wieso wir darüber berichten?  Erstens: Es war so genial, wie können wir nicht darüber berichten! Zweitens: Wir haben so viele gute Bilder gemacht, die wir euch unbedingt zeigen wollen. Drittens: Nach Wacken ist vor Wacken – und das bedeutet, es ist immer eine gute Zeit, darüber zu berichten. Viertens und am wichtigsten: Wir haben eine angehende Verwaltungsfachangestellte begleitet, die im Rahmen ihrer Ausbildung auf dem Festival arbeitete. Und diese Geschichte habt ihr im Zusammenhang mit dem Metal-Festival noch nicht gelesen. 

Eine junge Frau in schwarzer Weste lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist die Sonne zu sehen.

Hanna rules

Stellt euch vor: gefühlt das ganze Land samt eurer Freunde und Familie feiert – und ihr müsst arbeiten! Eigentlich eine Horrorvorstellung, aber weit gefehlt. Hanna Hesse ist im dritten Lehrjahr zur Verwaltungsfachangestellten beim Amt Schenefeld. Die gebürtige Wackerin tauschte für drei Tage das Amtszimmer mit der größten Heavy-Metal Bühne der Welt. Sie arbeitete auf W:O:A!
Wie diese vermeintlich am weitesten voneinander entferntesten Dinge, sprich ein Heavy-Metal-Festival und ein Ordnungsamt zusammenpassen? Ganz einfach: Ohne Ordnung geht’s auch auf Wacken nicht. Der 1.800-Seelen-Ort Wacken ist das gesamte Jahr der Inbegriff der ländlichen Idylle inmitten von Schleswig-Holstein. Grüne Wiesen, weite Felder, grasende Kühe und Schafe prägen normalerweise das Bild des Ortes nahe Itzehoe. Doch ein Mal im Jahr, immer zum ersten Augustwochenende, pilgern über 75.000 „Metalheads“ in das Dörfchen und übersäen seine Äcker mit Zeltplätzen, Fressbuden, Containerduschen und Bühnen.

Das W:O:A ist nach Angaben der Organisatoren das größte Heavy-Metal-Festival der Welt. Rund 120 Bands standen auf dem Programm. Musikalische Höhepunkte des Festivals waren in diesem Jahr die Ein PKW-Kombi steht vor einer selbstgebauten BÜhne auf einem Feld.Auftritte von Rammstein, Deep Purple und Alice Cooper.

Das Festival, welches in diesem Jahr zum 24. Mal stattfand, hat einen hervorragenden Ruf, das zeigt auch die hohe Akzeptanz bei den Anwohnern. Die Feierfreudigen gelten als friedliches Publikum. Nur selten kommt es zu unangenehmen Vorfällen, die bei ähnlichen Großveranstaltungen vorgekommen sind. Man nehme zum Beispiel das schreckliche Ende der Love-Parade in Duisburg 2010.

Der reibungslose Ablauf hat aber nur bedingt etwas mit der Gutmütigkeit seiner Besucher zu tun. Hinter den Kulissen arbeiten über 500 Menschen, die es überhaupt möglich machen, diese Menschenmassen zu versorgen. Polizei, Zoll, Feuerwehr, Notärzte, Sanitäter, Security sorgen rund um die Uhr für die Sicherheit und den reibungslosen Ablauf des Festivals.

Düster erscheinende Dekorationsgegenstände heben sich vom blauen Sommerhimmel ab. Aber zurück zu Hanna. Zu ihren Aufgaben gehört die Kontrolle der unzähligen Verkaufsstände. Neben Essen und Trinken werden auch viele Merchandise-Artikel und Wacken-Souvenirs an den Mann gebracht. Hanna schaut, ob alle die Vorgaben des Amtes erfüllen. Auch außerhalb des Festivalgeländes ist viel los. In jedem zweiten Vorgarten stehen Verkaufsbuden, bei Regen mit Gummistiefeln und Regenschirmen, bei Sonne mit Sonnenbrillen und Sonnencreme, bei jedem Wetter mit Bier, Kohle, Grillanzünder und Grillwurst. Auch diese müssen allesamt genehmigt werden.

Und was sagt Hanna zu ihrem Einsatz auf W:O:A? „Ich kenne das Festival schon lange. Als Wackerin habe ich jedes Jahr freien Eintritt. Die Atmosphäre ist Ein Mann in Tarn-Hose und schwarzem Oberteil hält ein Pappschild mit beiden Händen über seinem Kopf in die Höhe. Im Hintergrund befinden sich parkende PKW und Zelte.einfach gigantisch und die Leute sind einfach gut drauf. Nur die Musik ist nicht ganz die meine. Aber daran habe ich mich mit den Jahren gewöhnt.“

Text Katharina Grzeca | Fotos Teresa Horstmann